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Ein Gespräch unter Druiden

Kapitel 64: Was am Hof des Vogtes Sirk al Semesh geschah


Ein Spielbericht über das Kapitel 64 der Tikonstory, 31. G.T., im Februar 2000


Es war ein Sonntag, als der Druide Zaphrian aus dem Konvent Marils mit der Novizin Morwenn den neuerkorenen Vogt von Tôs, Sirk al Semesh verliess und sich nach Süden, dem Konvent entgegen wandte. Das Wetter war nicht besser geworden und so waren die beiden nicht unglücklich, gegen Abend in einem Dorf names Felsenwerd ihrem Freund, dem Druiden Asgarîm zu begegnen. Asgarîm kümmerte sich hier um den Fuss eines Hirten, der sich an einem spitzen Stein eine Wunde zugezogen hatte, welche sich im feuchten Wetter rasch entzündete. Während Morwenn sich mit der Mutter des Hirten, welche sie von früher kannte, unterhielt, erzählte Zaphrian Asgarîm von den Ereignissen in Tôs.

Asgarîm: Man sagt, der neue Vogt von Tôs habe Grosses vor mit diesem Land.
Zaphrian: Ja, eben hat er seine Residenz zur Stadt erhoben. Er will Händler und Gewerbe ansiedeln. Ein verwirrendes Steuersystem soll die Bauern hinters Licht führen und man merkt ihm an, dass er dem Regenten Gloozi weniger nahe steht, als jener gerne hätte.
Asgarîm: Ihr meint, er lasse nicht von seiner Freundschaft mit Tuan ab.

Zaphrian: Nun, Tuan war zur Überraschung aller tatsächlich anwesend. Die beiden unterhielten sich nicht schlecht, bis Tuan begann, öffentlich abfällig über Gloozi zu sprechen, was Sirkal nicht dulden wollte und ihn verjagte. Aber nicht lange und Tuan sass wieder an der Tafel, so dass ich vermute, das alles sei nur gespielt, um Sirkal den Rücken freizuhalten und die Spitzel des Regenten zu übertölpeln.
Asgarîm: Und wie hat sich Sirkal in Tôs eingerichtet?
Zaphrian: Ha! Der Hirte der goldenen Sonne ist mein Zeuge, er hat einen Hofstaat um sich versammelt, der einem Prinzen recht käme. Ein Medikus, ein Bibliothekar, weitere Weise, ein geübter Schreiber, eine Vielzahl von Gardisten, einen Hofmeister, Küchenpersonal und eine
Tuan
Vielzahl an Knechten, welche - das muss man sagen - zuvorkommend und still agieren. Allein der Hofnarr, den er sich hält, vermag wenig zur Stimmung beizutragen, wobei diese trotzdem nicht schlecht war.
Asgarîm: Was ist mit unserer Schwester Morwenn? Was ist Euer Eindruck Bruder?
Zaphrian: Hmmm. Das ist nicht leicht zu sagen. Ihre Stimmen sind so farbig wie die Lieder der Vögel. Bald hier und bald dort vermeint sie den Vater aller Erde zu entdecken. Allem gilt ihr Interesse und nirgends verspürt man das Vertrauen auf das Wissen, das nur die geschmeidige Schreiberin der endlosen Geschichte ihr offenbaren könnte. Trotzdem sehnt sie die süsse Stimme des süssen Westens herbei und niemand weiss, wie nahe Vanjata ihr schon steht. Es ist nicht leicht für sie, denn während alle anderen Töchter ihres Vaters längst die Liebe Samniils in sich bergen und ihren Männern Kinder gebären, fühlt sie sich noch immer von Tiku Mananga, der huldvollen Schwester der armseligen Wanderer, verlassen. Ein stechender Schmerz, der ihr nie hätte wiederfahren dürfen.
Asgarîm: Ja, Bruder, ich weiss um meine Schuld und gräme mich nach wie vor darüber, aber wie hätte ich sie länger an meinem Krankenlager halten können, als sie den Ruf aus dem Kevatal zu inbrünstig verspürte?
Zaphrian: In der Tat, das vermag niemand zu sagen. Vertrauen wir auf den Bewahrer aller gefundenen Splitter, denn er allein vermag Morwenns Weg zu bestimmen.
Asgarîm: Wie aber verhielt sich die Novizin beim Fest in Tôs?
Zaphrian: Nun, wir kamen Abends an und setzten uns zu den anderen Gästen, denen allen der Schlamm von der sumpfigen Reise noch an den Schuhen klebte. Morwenn unterhielt sich mit einem umherziehenden Krieger, der ihr allerlei unkeusche Fragen stellte, welche sie sichtlich in Verlegenheit brachten. Ich vermochte sie nie lange bei meiner Seite zu halten, aber ihr wisst, dass das auch gar nie meine Absicht sein könnte. Als ich den Speisesaal betreten hatte, spürte ich, dass mich der Beschwörer des aufzehrenden Feuers am Kamin bereits erwartete.
Asgarîm: In was für einer Stimmung traft ihr Dolminthor?
Zaphrian: Ich war mir nicht sicher, was er von mir erwartete und opferte ihm ein paar Samen. Da verstummte sein Prasseln für einen Moment und ich hoffte, der einäugige Wolf von Mill-Winit würde uns mit seinem grimmigen Scherz verschonen.
Asgarîm: Und, ist das eingetreten?
Zaphrian: Hmm. Mag sein. Man kann es aber auch anders sehen. Auf jeden Fall liegt es auf der Hand, dass der kenntnisreiche Erzähler der ewigen Sage ihn zu besänftigen versuchte.
Asgarîm: Ja, ich spüre auch seit längerem, dass Urk-Mirit an Einfluss gewinnt.
Zaphrian: Heute Mittag, auf dem Weg hierher fand Morwenn einige Dreikernkräuter und ich vermute stark, dass Tiku Mananga ihr persönlich die Plätze wies.
Asgarîm: Es wäre gut, wenn Morwenn das spürte.
Zaphrian: Ja, aber ich fürchte, sie erkennt die Anwesenheit unserer Fürsprecher bei Mananan noch nicht in jedem Fall. Noch zu oft glaubt sie, dass der Vater ihr direkt entgegentrete und sieht doch nicht, dass fast alles, worin er zu uns spricht, Manifestationen seiner Freunde sind, welche uns beistehen wollen. Ohne seine Boten zu erkennen, wird sie aber niemals in der Lage sein, dem Willen Mananans nachzukommen.
Asgarîm: Wahr gesprochen Zaphrian und wir wollen beide beten, dass sich ihre Augen öffnen.
Zaphrian: Ja.
Asgarîm: Sagt, waren auch Priester des Gottes Seth vor Ort?
Zaphrian: Ja, nachdem sie sich in der Baronie Tôs gut etabliert zu haben scheinen, sehen sie ihren Einfluss nun von Osten her in Gefahr. Der Geschuppte mag das ungern sehen und so entsandten sie zwei Priester und einen Minister in die Vogtei. Zwei-, dreimal kam es zum Streit mit dem Vogt, als sie ein Tempelrecht nicht bewilligt kriegten und tatsächlich war Sirkal nicht gut auf sie zu sprechen.
Asgarîm: Ja, das mag man leicht verstehen. Mael Ared müsste darüber verzweifeln, wenn sich die Sethpriester weiter ausbreiten würden.
Zaphrian: Nun, ich würde den hinkenden Träger der letzten Hoffnung in diesem Moment nicht miteinwerfen. Besitzt ihr Schlangengott wirklich eine Kraft, so wird ihn der Vogt nicht aufhalten. In jedem Fall wird Mael Ared darüber seine Geduld nicht verlieren, sowenig er sie bislang verloren hat.
Asgarîm: Ich weiss, ihr schätzt unseren Tröster gänzlich anders ein, als ich es tue, aber grämen wir uns nicht länger darüber.
Zaphrian: Auch ein Priester Tsuffàhls war als Gast geladen und brachte einen Begleiter mit.
Asgarîm: Ja, sie treten nie allein auf.
Zaphrian: Führwahr, das tun sie selten. Sie nannten sich Ratz und Rats.
Asgarîm: Ja, ich glaube, von denen habe ich schon einmal gehört. Es war im Zusammenhang mit dem Göttertal.
Zaphrian: Das mag sein, denn auch ich hörte sie davon erzählen. Der Vogt gewährte ihnen das Tempelrecht in Tôs, genauso wie uns Gläubigen des Manannan.
Asgarîm: Der vierhändige Beschützer der echten Demut weiss um unsere Dankbarkeit.
Zaphrian: Möge er es ihm verdanken.
Asgarîm: Was war mit dem Ritual, das abzuhalten ihr gehalten wart?
Zaphrian: Nun, ich habe schon erwähnt, dass ich Dolminthor bei meiner Ankunft wartend vorfand. Der Vogt zeigte sich wenig vertraut mit den lokalen Bräuchen, willigte aber rasch ein, das Ritual gemäss dem Usus abzuhalten. In der Nacht betete ich für seinen guten Willen und mit Hilfe Tiku Manangas bannte ich alles, was ich als schlecht in ihm sah, in eine Schale. Am Tag des Ritual zog der Vogt und seine Wachen mit uns in den Wald. Vanjata liess keinen Moment davon ab, uns den kalten Winter zu künden und ich war in Gebetsformeln vertieft, so dass die beiden Tsuffàhlis uns den Weg weisen mussten. Nach einigem Suchen gelangten wir an den Ort des Rituals und Dolminthor hatte uns bereits erwartet. Etwas ungeduldig beobachtete er meine Verrichtungen und es schien mir, dass auch der Vogt eine fremde Präsenz spürte, denn unruhig wanderte sein Blick umher, als ich ihm die Schale seiner dunklen Eigenschaften vorhielt.
Asgarîm: Nun, das ist aber auch nicht anders zu erwarten.
Zaphrian: Ja, das stimmt allerdings auch wieder.
Asgarîm: Das Ritual verlief nach Wunsch?
Zaphrian: Ja, der rote Schatten im schmelzenden Eis nahm unser Opfer an und ich hoffe, er hält sein Versprechen und behält die schlechten Eigenschaften des Vogtes bei sich.
Asgarîm: Ein seltsames Ritual in meinen Augen.
Zaphrian: Ja, ich habe mich auch lange mit Morwenn darüber unterhalten und gerne würden wir mehr über seine Hintergründe erfahren. Seit Unzeiten weiht man neue Würdenträger in dieser Gegend auf diese Weise und schon längst scheint der Ursprung des Brauches vergessen worden zu sein. Umso mehr überraschte uns die Erklärung eines Traumdeuters, der auch zu Gast war.
Asgarîm: Wie lautete diese?
Zaphrian: Da muss ich etwas weiter ausholen. In der Nacht vor dem Ritual hatten einige der Geladenen zum Teil nur schwer erklärbare Träume gehabt, zu deren Interpretation sich der besagte Traumdeuter dann anschickte. Ich hatte davon vernommen, vermochte aber keinen Zusammenhang zum Ritual zu sehen, so dass ich mich nicht darum kümmerte.
Asgarîm: Eure Arglosigkeit wird Euch noch einmal viele Probleme machen?
Zaphrian: Meint ihr? Aber hätte ich es Dolminthor nicht anmerken müssen, wenn etwas nicht gestimmt hätte?
Asgarîm: Ja, vielleicht, aber man soll nichts überhören nur weil man es im Moment nicht versteht? Nicht immer ist Pas-ö-ze willig, verständlich zu uns zu sprechen?
Zaphrian: Die Bewahrerin der neun letzten Rollen hätte mich aber bestimmt deutlicher gewarnt.
Asgarîm: Wie ihr meint, Bruder.
Zaphrian: Auf jeden Fall erklärte der der Traumdeuter die Visionen in der Art und Weise, dass es fatal wäre, einen weiteren Vogt in Tôs zu weihen, da die Träume uns davor warnen würden. Es ging dabei um eine Zahl von bereits drei geweihten Vögten, die nun nicht noch durch einen vierten vermehrt werden dürfe, ansonsten erlaube dies einem Dämon, den er Puppenspieler nannte, den Willen der Vögte zu brechen und in sie einzudringen.
Asgarîm: Aber Sirkal ist doch der erste Vogt von Tôs.
Zaphrian: Der Traumdeuter verlängerte die Vogtreihe um die Barone von Tôs.
Asgarîm: Aber das sind doch bedeutend mehr als vier.
Zaphrian: Auch ich warf das ein, aber es hielt ihn nicht davon ab.
Asgarîm: Und wie deutet ihr die Träume?
Zaphrian: Nun, wie gesagt, stellte ich mich nicht gross darauf ein. Anders ein Elf namens Assel, der glaubte, den Regenten vor der Ernennung eines vierten Vogtes zu sehen, da Tuan nun übergelaufen sei.
Asgarîm: Auch das eine etwas seltsame Rechnung.
Zaphrian: Hmm. Weniger seltsam als andere, aber dennoch etwas disparat, denn es wäre mir neu, wenn die anderen Vögte auch gereinigt worden wären, wie es in Tôs der Brauch ist.
Asgarîm: Tatsächlich.
Zaphrian: Die Deutungen überschlugen sich und nicht lange, bis wir Druiden beschuldigt wurden, durch unser Ritual dem Dämonen ein Tor geöffnet zu haben. Ich ging nicht weiter darauf ein, den solcher Art Vorwürfe hört man viele; trotzdem enervierte es Morwenn ganz beachtlich.
Asgarîm: Das liegt an ihrer Jugend ...
Zaphrian: ... und das ist auch nicht weiter schlimm. Schwierig wurde es erst, als sie mir vorhielt, unsere Ehre zuwenig zu verteidigen.
Morwenn
Asgarîm: Das wäre wirklich fehl am Platze gewesen.
Zaphrian: Nicht wahr? Ich wähnte Urk-Mirit auf unserer Seite und verhielt mich in Demut. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis der Traumdeuter mit einer anderen Erklärung aufwartete und die überraschte mich wirklich.
Asgarîm: Als da wäre?
Zaphrian: Er meinte, das Ritual, das wir abgehalten hätte, sei zu Vorzeiten dazu bestimmt gewesen, zu verhindern, dass ein Dämon zum Vogt gewählt würde. Mit der Zeit hätte man das Wissen darum aber verloren und nun glaube man, lediglich die schlechten Eigenschaften des Vogtes zu verbrennen.
Asgarîm: Eine interessante Deutung.
Zaphrian: Ja, sie gefiel mir auch nicht schlecht. Auf jeden Fall wurde schon wenig später das Essen aufgetragen und sämtliche Ängste um Dämonen und böse Vögte lösten sich im Wein und Met auf.
Asgarîm: So mag man es sich vorstellen.
Zaphrian: Ich kann die Küche auf jeden Fall nicht genug loben. Es hat fürwahr geschmeckt und von allem gab es reichlich.
Asgarîm: Ihr habt noch ein sonderbares Steuersystem erwähnt, das der Vogt einführen wolle.
Zaphrian: Hmm. Ich weiss nicht, ob ich es recht verstanden habe, aber ich glaube, dass man weniger Steuern zahlen muss, aber sogleich angehalten wird, in eine Stiftung einzutreten, die er AnsTôss nannte. Die Stiftenden teilt er in verschiedene Stufen ein, je nach Grösse der Stiftung, und nur die höchsten Stiftungsränge dürfen darauf hoffen, bei ihm ein offenes Ohr zu finden.
Asgarîm: Ah, was für ein Halsabschneider.
Zaphrian: Dieses Eindruckes kann man sich nicht ganz erwehren. Auch wenn ich davon keine vorschnellen Rückschlüsse in Bezug auf die Prophezeihung ziehen würde. Ihr habt davon gehört, Bruder?
Asgarîm: Na-o-tie hat mir erzählt, dass die Trägerin des Ringes von Al Fintain Trunbar Tro geweissagt habe.
Zaphrian: Ja, und wir erhofften uns in Tôs eine Anwort auf diese Prophezeihung Pas-ö-zes.
Asgarîm: Und?
Zaphrian: Nun, die Zeichen sind nicht eindeutig. Wir haben ihn eingehend befragt, und einiges kam dabei zum Vorschein, was darauf hinzudeuten vermag. Anderes wie seine durchscheinende Habgier weniger. Kurzum, ich habe beschlossen mit Morwenn nach Marils zurückzukehren und den Bericht von Na-o-tie, Darian und Waidelan abzuwarten, bevor wir weiteres entscheiden.
Asgarîm: Das halte ich auch für eine gute Idee.
Zaphrian: So mag es sein, und wenn es der Wille des Weisen der tausend Schlüssel zum Wissen ist, dann können wir nicht falsch gehen.

Mit diesen Worten beendeten die beiden ihre Unterhaltung, denn der verletzte Hirte rief nach Asgarîm, der daran ging, einen neuen Verband um den geschwollenen Fuss zu legen.

Jesomehr ward ein ganz anderer Eindruck zu dieser Begebenheit sich hier zu finden.


Geschrieben von folini; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002