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Vermittelt über die Redaktion dieses Käseblattes, welches die Verdrehung tatsächlicher Ereignisse mit freier Meinungsäusserung verwexxelt:

Kapitel 57: Ein offener Brief an Sidi Inkris ben Efiz


Antwort auf den Spielbericht vom Kapitel 57, der Dogenwahl in Wexxel, im Januar 31 G.T.


Abgesehen davon, dass mir ein Rätsel ist, weshalb man sich nicht bei einem Pfefferminztee unter ein gemeinsames Zeltdach setzt und in aller Freundschaft ein Gespräch unter Handelspartnern, Verbündeten oder auch Feinden (denn auch sie geniessen in einer anständigen Wüstenstadt eines jeden Gastfreundschaft) sucht, wenn fern zurückliegende Ereignisse weitererzählt und besprochen werden sollen, sondern statt dessen sich auf die schriftlichen Dokumente von Personen stützt, die weder den Titel noch die Ausbildung eines wertfreien Schreibers oder Bibliothekars geniessen noch willens sind, den Ansprüchen, die das Verfassen eines Dokumentes an den Schreiber stellt, zu berücksichtigen, sehe ich mich durch den sogenannten Nachruf des Sidi ben Efiz dazu aufgefordert, meine Meinung zu den Ereignissen um die Wahl des wexxelnden Dogen kundzutun, auf dass die verschiedenen Seiten einer Sache beleuchtet werden und ein jeder und jede die Freiheit eines Wexxlers oder einer Wexxlerin, die uns Kraft unserer Geburt und Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der in dieser Stadt lebenden gegeben ist, in Anspruch nehmen möge.

Sidi Inkris ben Efiz beklagt die Zustände in der Stadt rund um die Wahlen. Sidi ben Efiz hat sich aber nicht die geringste Mühe gemacht, sich zu verhalten, wie es der Situation angemessen gewesen wäre; er vertat seine Tage im Bordell, anstatt gemeinschaftlich mit euch, liebe Wexxlerinnen und Wexxler, die nicht einfache Aufgabe auf sich zu nehmen, die eine solche politische Lage mit sich bringt: Die Argumente, Motive und Beweggründe kennenzulernen, die die Kandidaten und Kandidatinnen - und zwar deren alle, mitbringen; und dann gemeinsam mit seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eine gerechte Wahl zu treffen.

Sidi ben Efiz gesteht selbst zu, dass seine Beweggründe, die ihn zur Wahl des Usurpators Gloozi ben Noën trieben und die ihn nun dies einseitige und ungerechte Dokument verfassen liessen, auf seinen Gesprächen mit einigen wenigen Leuten beruhen. Als Händler von alter Schule war er nicht fähig, die Freundschaften aufzubauen oder den Diskurs zu suchen mit Personen ausserhalb seiner Gilde oder seines Standes. Seine Meinung beruht auf den Aussagen einiger weniger Personen der Wexxler Aristokratie. Glaubt nicht, dass ich die liebevolle Zuneigung nicht schätze, die er seinem Kollegen Sidi Petonas entgegenbrachte, und die Trauer nicht ehre, mit der er ihn nun bedenken muss; nichts läge mir ferner. Aber diese Freundesliebe und sein Festhalten an den Verbindungen, die sein Stand und Gewerbe ihm schon von Geburt an in die Wiege gelegt haben, haben ihn gänzlich in die Irre geführt.

Weiss er denn um die Sorgen, die die Untoten umtrieben, wenn sie von Herren wie Sidi Petonas zur Arbeit getrieben wurden? Weiss er um die Schmach und Trauer, die junge Frauen edlen Geblüts, durch die Ereignisse der letzten Jahre ihres Standes und ihrer Würde beraubt, nun erleiden müssen, wenn sie mühsam ihr Lebensnotwendigstes verdienen müssen als Bordelleurin oder Wahrsagerin? Erkennt er nicht, dass eine neue Zeit angebrochen ist, dass Wexxel eine neue Art von Herrschaft braucht, eine Herrschaft, die über die Grenzen einer (vorläufig noch imaginierten) Stadtmauer hinaus ihre Wirkung entfaltet? Ich spreche nicht von Krieg und Eroberung, sondern von Reisen, Handel und neuen Horizonten. Und weiss Sidi ben Efiz von der immensen Gefahr, die unserer Oasenstadt drohte, noch in der gleichen Nacht, da er über dem Humpen in der Taverne (wie ich annehmen muss) die Trauer um seinen Freund zu vergessen suchte?

Eine Gefahr, die aus der Düsternis der vergangenen Vampirherrschaft kam und uns unweigerlich alle in die Verderbnis gestürzt hätte, wäre sie nicht abgewendet worden durch das Verhandlungsgeschick des Ghilean, die Treue des Varag Vetinari, die Entschlossenheit unserer Tscha'anz-Priesterin und die Weisheit der Kinder der Nacht, deren Vertreter nun zu Recht im Rat sitzt? Sidi ben Efiz hat sich nicht die Mühe genommen, derlei Dinge in Erfahrung zu bringen. Das führt ihn dazu, die neue Regierung als üble Machenschaften abzutun, da er den Einfluss seiner Händlergilde, die bisher aus dem Hintergrund die Fäden zog, beschnitten sieht. Schlimmer noch: Auch Sidi ben Efiz trägt selbst zu den gefährlichen und schlimmen Zuständen bei, welche er so zu bedauern scheint. Hat er nämlich eine ganze Kamelkarawane, die für Fatima el Fatal bestimmt war, als ganzes unterschlagen und sämtliche Tiere gut versteckt, damit er sie in betrügerischer Weise mit seinem eigenen Brandzeichen versehen könne!

Um also den Stand seiner Gilde zu sichern - er scheint seltsamerweise das Handelsgewerbe bedroht zu sehen, wenn es Personen aus fernen Ländern betrieben wird, eine sehr seltsame Einstellung für einen Händler - geht er so weit, die wichtigsten Regeln freien Handels umzustürzen - nämlich die Ehrlichkeit und, wo diese nicht ausreicht, wissen wir alle, dass es keinen Streitpunkt gibt, über den nicht ein Vertrag geschlossen werden kann. Möge die Petonas-Therme erbaut werden; es ist eine schöne Tat, auf solche Art das Lebenswerk eines Verstorbenen zu würdigen. Möge es uns bald gelingen, in der Stadt Ruhe, Gesetzmässigkeit und Freiheit, die Grundlagen jeglichen erfolgreichen Gewerbes, einzuführen. Möge der Rat zusammen mit den Vertretern der Stände unsere Stadt noch weiter erblühen lassen und zu neuer Grösse bringen.

Nur eins: solcherlei Geschichtsschreibung, von Personen wie Sidi ben Efiz betrieben, scheint mir dabei nicht hilfreich. Was ich anfänglich geschrieben, soll auch für mich selbst Geltung haben: Sidi Inkris ben Efiz, hiermit wiederhole ich meine herzliche Einladung. Sucht mich auf, und ich werde Euch aufs prächtigste bewirten. Ich bin davon überzeugt, dass es uns möglich sein wird, unsere Anliegen so zu besprechen, dass wir in beiderseitiger Zufriedenheit auseinandergehen werden. Ihr findet mein Zelt unter der grossen Dattelpalme links neben der Kamelstallung.

Bilshiffa!

Sanjarr Q'ahana bath Q'azima al Vetinari
Mitglied des Rates von Wexxel



Geschrieben von elena; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002