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Erschüttert über ob soviel Gewalt

Kapitel 57: Ein Nachruf für Jeromir Petonas


Spielbericht zur Dogenwahl in Wexxel, im Januar 31 G.T.


Im Gedenken an unseren geehrten Freund und Händlerkollegen, Baulöwe und Dogenkandidat, dem ehrenvollen Jeromir Petonas, habe ich, Inkris ben Efiz, Plutarch des geliebten Wexxels, mich entschlossen, uns hier im Wexxlerwisch noch einmal in Erinnerung zu rufen, was eben dieser Jeromier Petonas alles für unsere Stadt und unser Wohlbefinden gemacht hat und vorhatte zu tun.
Angefangen hat alles damals bei den Ausgrabungen und dem Wiederaufbau von Wexxel, nachdem es vom Ur zerstört wurde. Geschickt arbeitete Jeromir Petonas stets mit den Lichtscheuen und anderen ansässigen Gruppen zusammen, um all die prächtigen Bauten, Residenzen und Paläste, wovon nicht wenige aus seinen Entwürfen entsprangen, Wirklichkeit werden zu lassen. Über die Jahre hinweg hatte er sich ein kleines Bauimperium aufgebaut (weshalb er von einigen Neidern auch Jeromir Pythonas genannt wurde) und war zu einer der angesehensten Persönlichkeiten Wexxels geworden. Er war einer der treibenden Kräfte, die Wexxel zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Diese kurzen Geschichte über seines ruhmreichen Lebensabschnittes als Wexxlerbürger, welche noch beliebig fortgesetzt werden könnte, mag erhellen, weshalb er sich berechtigterweise als Kandidat zur Dogenwahl aufstellen liess. (Zuerst wollte ich, Inkris ben Efiz, mich ja selbst wählen lassen, habe dann aber eingesehen, dass mit Jeromir, einem wirklich valablen Kandidaten und Händlervertreter, unser aller Interessen in allen Anliegen bestens vertreten sein würden, denn er war zum dogieren geboren.) So reiste er (und auch ich) guten Mutes nach Schneeberg, wo die Tragödie dann ihren Lauf nahm:
Als ich spät Abends im Schneeberg Tswo ankam, war der Druide Waidelan Emsi schon eifrig dabei alle Vorbereitungen zur Wahl zu treffen. Alsbald bat er auch alle Anwesenden in den Versammlungsraum. Hier klärte er uns zunächst über die Wahlbestimmungen sowohl aktiver wie auch passiver Art auf. Daraufhin rief er all diejenigen, welche sich zur Wahl stellen wollten, auf, über sich und ihre Banden zu Wexxel eine kurze Rede zu halten, worauf sogleich die erste Überraschung folgte:
Eine der Kandidatinnen, nämlich Sanjarr Q'ahana, gab sich als Halbschwester des Plenarchen Varag Vetinari zu erkennen, was im Verlaufe des Abends dann auch durch einige Tests von den "Kindern der Nacht" bestätigt wurde. Desweiteren kandidierten der eben schon erwähnte Plenarch, Ghilean, Stadthalter und Bibliothekar von Wexxel, unser treuer Freund Jeromir Petonas sowie zu aller Empörung auch Gloozi aga ben Noën, welcher mitten während der Versammlung mit einem seiner pompösen Auftritte alles fast zum Einstürzen brachte. Nachdem sich die Anwärter mehr oder minder blumig vorgestellt hatten, wurden an all die anderen Vertreter wichtiger Volksgruppierungen die Wahlknochen verteilt. Dies waren im Detail die Händler und Wechsler, die Dunkelzähne oder auch "Kinder der Nacht" genannt, die Garde des Plenarchen, die Gelehrten und Schriftkundler, die Kamelzüchter, die Lichtscheuen, die Sandler und Mineure, der Kult des Tscha'anz, die UR-Macher (wichtig oder gefährlich?!), die Spielhöller, die Bordelleure, die Brunnwächter, die Gaukler, Marktzauberer und Künstler und unter anderem auch das gemeine "Volk".
Darauf schloss Waidelan die Versammlung und der Wahlkampf entflammte aufs härteste. Die Anwesenden stürzten sich in heftige Diskussionen, Verhandlungen und Monologe darüber, wer den nun der beste Doge ist. Auch für das richtige Umfeld der Gespräche war gesorgt. Einerseits war da die Spielhölle von Ali Quatermain, die von dem kundigen Ikhbar Al-Mahnach und seinen Gehilfen geführt wurde, anderseits die Taverne, deren Reichhaltigkeit an Köstlichkeiten auch dem dekadentesten Gaumen gerecht wurde und nicht zuletzt auch, für die etwas intimeren Gespräche war da noch das Bordell zur "Laterne Rouge", in welchem man sich der zarten Behandlung von Rosine Sassaran, Clara Goldhaar Zweifalt und/oder der schönen Roya hingeben durfte. Es war also für alle Geschmäcker, Gelüste und Belangen etwas da. Das muntere Treiben wogte hin und her, doch schon bald prägte Petonas den gesamten Wahlkampf durch sein ungezwungenes, zuvorkommendes und doch bestimmtes Auftreten. Auch wenn andere versuchten durch Geschenke jeglicher Art die Stimmen der verschiedenen zur Wahl zugelassenen Gruppierungen zu "kaufen", war abzusehen, dass es kaum ernstzunehmende Konkurrenz für Jeromir gab.
Aber während der kommenden Stunden sollten sich noch so einige mysteriöse Dinge ereignen, welche erheblichen Einfluss auf die zu Wählenden, die Wähler und somit auch auf die Wahlen selbst nehmen würden. Ich spreche hier nicht von den kleinen Intrigen, Bestechungsversuchen, Lügen und falschen Wahlversprechungen, welche zu jeder anständigen Wahl und jedem Kandidaten, der etwas auf sich hält, gehören. Nein, ich spreche von Ereignissen anderen Aussmasses, wie wohl jeder der dort Anwesenden zu bestätigen weis. Ich will sie aber hier, des wehrten Jeromir Petonas wegen und auch all derer, die nicht anwesend sein konnten, willen, euch noch einmal vor Augen führen.
Mittlerweile ist es nun späterer Nachmittag, also nur noch einige Stunden hin bis zur Wahl. In der Zwischenzeit ist der Wahlkampf natürlich weiter vorangeschritten, aber es gibt keine nennenswerte Ereignisse hinsichtlich der Wahlen zu verzeichnen. Dies änderte nun aber schlagartig, als plötzlich ein schriller Schrei die Luft zerriss: "Gloozi....!!!" Alles war ruhig, es schien als ob die Zeit für einige Sekunden stehen geblieben wäre, um dann in einem riesigen Chaos zu münden. Alle versuchten so schnell wie möglich die Ursache des Schreies ausfindig zu machen. Es war Jeromir Petonas, welcher mittlerweile verkrampft röchelnd, zusammengerollt auf dem Boden lag. Er war vergiftet worden.
Ich stand wie gelähmt da und starrte auf den zuckenden Körper hinunter. Es dauerte einige Zeit bis ich mich aus meiner Trance befreien und nach einem Heilkundigen suchen konnte. Nach kurzer Zeit waren dann auch einige sich heilkundig nennende Personen zugegen, die Jeromir in eines der Gemächer brachten und sich um sein Wohlbefinden kümmerten. Jeromir in guten Händen wissend/glaubend, wendete ich mich daher mehr der Aufdeckung des Vorfalles zu. Durch den Schrei geleitet konzentrierte ich mich hauptsächlich auf Gloozi. Diesen Verdacht musste ich jedoch schnell mal fallen lassen, da der Täter samt dem Gift gefunden worden ist. Es war Al-Rizio, der sich "Die Stimme des Volkes" nannte.
Als ich an der folgenden Verhörung des Meuchlers teilnehmen wollte, wurde ich des Saales verwiesen. Mit dabei waren jedoch meines Wissens einige Gardisten, die Tscha'anzpriesterin und Ghilean. Gerüchten zu Folge sollen auch noch ein oder mehrere Vampire anwesend gewesen sein. Als Resultat wurde bekannt, dass sich der "Schuldige" in ein Schwert geworfen habe, aber nichts über seine Motive oder Auftraggeber. Kurz darauf war es dann auch gewiss, dass Jeromir Petonas an den Folgen des Giftes gestorben ist und somit die Stadt Wexxel eines würdigen Dogen beraubt wurde.
(An dieser Stelle möchte ich noch Folgendes bekannt geben:
"Wie dies in Wexxel üblich ist, wird sich natürlich die Händlergilde ihres Mitgliedes Hinterlassenschaften annehmen. Sie wird alle seine angefangenen und geplanten Projekte natürlich in seinem Sinne weiterführen. So wird dafür gesorgt, das die Pläne, welche auf seinem Arbeitstisch gefunden wurden, weiter ausgearbeitet werden. Der Komplex wird nicht nur Bäder, sonder auch diverse andere Etablissements enthalten. Es soll zu Ehren Jeromir Petonas zu einem Zentrum des Vergnügungsviertels werden. Nach einem geeigneten Name wird noch gesucht.")
In Anschluss an diese Zwischenfälle ging es bald wieder im üblichen Trott weiter. Es wurde wieder gespielt, gewonnen und verloren, man begab sich in die Taverne oder ins Bordell oder nahm an einer der zahlreichen Wahlveranstaltungen teil. Ich für meinen Teil zog mich vorerst einmal ins Bordell zurück, um in einer ruhigen Atmosphäre über das soeben Vergangene nachzudenken. Ich überlegte mir, ob ich mich nun doch noch als Kandidat, sozusagen als Ersatz für Jeromir, zur Dogenwahl aufstellen lassen sollte. Denn mittlerweile gab es ja keinen Vertreter der Händler und Handelnden mehr. Als ich noch über das dafür und wieder sinnierte, erreichte mich plötzlich die Nachricht, dass auch der Gardenhauptmann Kalmük Schwingschwert nicht mehr unter uns weile. Er soll den triefenden Zähnen eines der Kinder der Nacht zum Opfer gefallen sein. Nachdem ich dann auch diesen Schock verwunden hatte, keimte in mir so langsam ein gewisser Gedanke, der das "wider die Kandidatur" doch arg stärkte. Ich unterhielt mich noch mit diversen anderen Personen wie Ikhbar, Farad al Kefir, dem Wächter des grossen Brunnens, dem Grabherr Elim Buddelbrock, den Bordelleusen, ...., welche alle etwa eine ähnliche Meinung vertraten, was dann schlussendlich zu meiner Nichtkandidatur führte. Wie sich aber später herausstellte, wurden meine schlimmsten Befürchtungen noch bei weitem übertroffen. Erst während der Wahl wurde mir das gesamte Ausmass der Intrigen bewusst und die verschiedenen Vorfälle begannen sich vor meinem inneren Auge so langsam zu einem einzigen Netz zusammenzufügen. Als zuerst Lord Varag Vetinari seiner Rolle als Kandidat nicht gerecht wurde und in seiner Rede mehr Ghilean denn sich lobte, Q'ahana, seine Schwester, sich offiziell von der Wahl zurückzog und dann schlussendlich Ghilean mit seiner Rede ihre wahren Absichten offenbarte:
"Sie wollten Wexxel nicht alleine, sondern in einem Triumvirat regieren." Auch wenn jetzt manch einer einwenden mag, dass aber deren fünf im Rat sässen, lässt sich auch das erklären:
Zuerst war da Jeromir Petonas, der Ihnen hätte gefährlich werden können, folglich liessen sie ihn beseitigen. Bei der Anhörung des Täters waren nur wenige Personen anwesend, unter anderem Ghilean höchstpersönlich. Und dann wurde der relativ unbekannte und unwichtige Al-Rizio umgebracht. Der Hauptmann jedoch, welcher auch anwesend gewesen war, wollte die Wahlmänner und Frauen über die üblen Machenschaften informieren, worauf man sich auch seiner entledigte. Dies übernahm einer der Vampire, wofür sie dann mit einem Sitz im Rat entschädigt wurden. Um das Volk noch hinter sich zu bringen liess er dann noch einen fünften Sitz zu, welcher einem vom Volk gewählten Vertreter zu Gute kam. Trotzdem bleibt zu beachten, dass sie nun zu dritt alles bestimmen können und so eine grössere Macht ausüben als sie dies je getan haben.
Dies war für mich dann auch Grund genug Gloozi, den einzigen, der nicht in diese Intrige verstrickt war, zu wählen. Da die meisten anderen Wahlberechtigten aber die Situation nicht richtig deuteten oder aber gekauft waren, endete die Wahl mit einem überwältigenden Erfolg von Ghilean und seinen Intriganten.
Wenigsten konnte ich noch dafür sorgen, dass zumindest bei der Wahl des fünften Ratsmitgliedes ein würdiger Vertreter, der unser aller Interessen in den Rat trägt und auch vertritt, nämlich Ikhbar Al-Mahnach, gewählt wurde.

Inkris ben Efiz

Es dauerte nicht lange, bis Q'ahana bath Q'azima mit einem offenen Brief auf diesen tendenziösen Nachruf reagierte.



Geschrieben von chrigu; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002