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Lehrkörperliche Suchungen von pedantischer Detailtreue

Kapitel 77: Mord am 34. Akadpan


und anderes anlässlich der Kongressa Magia in der Acadæmi Tinga, November 32 G.T.


Beurteilung zu Händen der Bikanin Simwanaëz.

Hochverehrte Bikanin Simwanaëz!

Als Teil des Lehrkörpers sowie als Mitglied der Unteruchungsgruppe „Akadpan“, fühle ich mich berufen, Ihnen einen vollumfänglichen Bericht über die Ereignisse der vergangenen Tage vorzulegen. Aufgrund der von Herrn Magister Schehl und mir selbst gesammelten Informationen und Erkenntnisreichhaltigkeiten ist es nun möglich, Ihnen einen lückenlosen Ablauf der Ereignisse, die zum Tod des 34. Akadpan, zur selbsterlangten Freiheit der Sandestin, zum Diebstahl eines gewissen, wenn auch unwichtigen und endlich erschwundenen Artefaktes, sowie zu Knick in Masam Hollers Hut geführt haben.

Letzeres finsteres Ereignis, dessen Nachwehen die Akadæmi noch immer in ihrem eisernen Griff umklammert halten, geschah durch eine kleine Unachtsamkeit Hollers selbst, als er, ein wenig verspätet, zur Trimestereröffnung eilte und dabei die Höhe der Saaltüre so sehr unterschätzte, dass sein Hut einen Knick erhielt, als er mit eben dieser Saaltüre kollidierte. Es muss demnach klar festgehalten werden, dass weder die Sandestin, noch die Kobolde, noch unser aller bester Freund, Fürst W. von D., ursächlich zu diesem Ungemach beigetragen haben.

Kommen wir nun zum unglaublichen Chaos des zweiten Tages des Trimesters und zum Auslöser desselben. Ohne Akadpan wurde die Akadæmi sogleich in eine Unordnung zeitlicher und räumlicher Natur gebracht, wie sie bishererst 33 Male zuvor beobachtet werden konnte. Durch sorgfältige Untersuchungen der Leiche, des Zimmers, sowie der geheimen Botschaft, welche der Tote hinterlassen, erlangten Magister Schehl und meiner Selbst einen Einblick in die dunkle Irrwelt, die der Akadpan offenbar während der letzten Monden in seinem Bewusstsein erschaffen hatte. Ausdruck dieses Wahns war denn wohl auch das Tragen oranger Kleidung sowie das Übernachten in einem Einzelzimmer, weshalb seine schlussendliche Ermordung eigentlich nicht als Überraschung angesehen werden kann. Hier passt folgende Szene, wie sie von der Untersuchungsgruppe rekonstruiert worden ist, bestens hinein. Man stelle sich einen Gang vor, bevölkert von betrunkenen, umherstolpernden Adepten, welche eine markante Geräuschkulisse bilden für eine unbekannte Täterschaft, welche sich ihrerseits an ihnen vorbei in das Zimmer des Akadpan schleicht. Dieser wird sogleich in seinem Bett, auf eine bestimmte, alt überlieferte Art und Weise so lange zum Bluten gebracht, bis er tot ist. Hätte der Täter besser aufgepasst, hätte er bemerkt, wie der Sterbende eine Botschaft auf den Boden schrieb. Danach verschwand die Mörderbrut wieder, nicht ohne den ganzen Raum mit verwertbaren Spuren minimalsten Ausmasses übersäht zu haben. Durch eine gründliche Blut und Boden Untersuchung, war es möglich, den Mörder des Akadpan eindeutig zu identifizieren, sodass er am nächsten Feste der Akadæmi festgenommen werden kann. Ich möchte jedoch betonen, dass weder die Sandestin, noch die Kobolde, noch Fürst W. von D., den wir alle schätzen und mögen, in irgend einer Weise an dieser Tat beteiligt waren.

Und nun zu unseren sandhaufigen Freunden. Wie sich diese selbst aus ihrer Untertanenschaft befreien konnten, ist kein Rätsel mehr. Alle Beweise deuten auf die Kobolde, welche ihr Unwesen an der Akadæmi getrieben haben, denn warum sollten sie sonst anwesend sein? Etwa um höchstmagische Gegenstände zu klauen? Was diese Untat betrifft, so konnte zumindest der Kreis der Nichtverdächtigen erheblich ausgedehnt werden, nachdem den Untersuchenden klar geworden war, dass neben den Sandestin und den Kobolden auch Fürst F. von W. nichts damit zu tun hatte. Doch zurück zu den Sandestin, die, wie erwähnt von den Kobolden angestiftet wurden, einige Adepten der Besseren Alternative für ihre Befreiung zu missbrauchen. Die ganzen Umstände, die zudem in der Beschwörung einer magischen Entität ihren Höhepunkt fanden, führen wieder einmal in traurigster Weise vor, wie gefährlich es ist, Adepten an der Akadaemi zuzulassen. Diese Politik der Wissensweitergabe sollte unter diesen Umständen gründlich überdacht und danach über Bord geworfen werden. Ich kann hier aus eigener Erfahrung von schockierenden Ereignissen berichten, so waren in den Vorlesungen, die ich gehalten, wohl die Hälfte der Adepten allesamt betrunken! Man stelle sich nun ein Praxisseminar vor, bei dem es nicht nur um das behauen eines Rocco-Steins geht; insofern wäre es vielleicht empfehlenswert, die Gebaulichkeiten der Akadaemi auf ihr Explosionsfestigkeit zu überprüfen.

Zu guter Letzt möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um Ihnen, hochverehrte Bikanin Masama Simwanaëz, einige Verbesserungsvorschläge für den reibunglosen Ablauf des Akadaemigeschehens zu unterbreiten.

- der Lese- und Demonstrationzyklus „Oenologie“ sollte wenn möglich auf abendliche Randstunden verlegt werden, da die Adeptenschaft sonst nicht mehr in der Lage ist, in idealer Weise dem übrigen Unterricht zu folgen.

- die Gänge und das Treppenhaus der Akadaemi sollten verbreitert werden da sonst Masam Quetschpflaums Bart, Hut und Alter weiterhin zu Staus führen werden.

- geladene Gäste sollten zu freiwilliger Fronarbeit in der Küche gezwungen werden, damit sie ihre überschüssige Energie nicht in rituellen Morden und Daemonenbeschwörungen ausleben müssen.

- der neue Akadpan, bekanntlich ein nicht so leicht umbringbarer Djinn, sollte so schnell wie möglich von der Akadæmiversammlung im Amte bestätigt werden, damit seine Autorität gestärkt wird.

- es sollte ein Strafenkatalog eingeführt werden für Adepten, welche nach Beginn der Lesungen und Praktika noch in den Gängen der Akadaemi oder im Verbindungstreff der MAV Arcania angetroffen werden. Im Vordergrund steht dabei wohl die Aufgabe der Kontrolle über den Schlüssel des Weinkellers während einem Viertelmond für jeden Erwischten.

- die exzellenten durchreisenden Köche müssen mit allen erdenklichen Mitteln dazu gebracht werden, ihr Engagement an der Akadæmi zu verlängern, ansonsten müssen wir wieder das Zeug essen, dass uns Masam Hollers Mutter kocht.

- die Kobolde müssen weg.

Ich hoffe sehr, mit diesem Bericht etwas dazu beitragen zu können, das aus unserer Akadæmi endlich jener zweithellste Leuchtturm des Wissens in Tikon wird, der sie eigentlich sein sollte.

Hochachtungsvoll der Aufmerksamkeit der ehrenwerten Bikanin Masama Simwanaëz unterbreitet von Masam Gugul ben Osram ibn Sirâj, Extraordinarius für Lichtmagie, Magiesimulation und Scheinsein-Relationen an der Akadaemia Tinga im Jahre 32 G.T.

Wie sich so zeigte, gab es zur Untersuchung doch eine Lücke, die hier geschlossen ward.


Geschrieben von GbO; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002