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Im Angesicht des bösen Aryn.

Kapitel 55: Sagenhafte Ereignisse in der Schlucht Versam


Spielbericht zu Hochtal IV - Im August 98


Es ist noch nicht lange her, seit ich weit oben am Ri-Fluss meine nassen Füsse nach einem plötzlichen Wetterumbruch am Feuer einer Taverne wärmte und gespannt den Worten eines gelbgewandeten Mannes lauschte. Er war offenbar auch vom aufziehenden Sturm unter das trockene Dach getrieben worden und vertrieb den anderen Gästen die Zeit mit seiner Geschichte. Sie handelte von Gegebenheiten, die sich nur ein, zwei Tage zuvor in der Schlucht Versam, im Land der sagenumwobenen, geschwätzigen Naïns zugetragen hatte, von denen aber freilich in seiner Geschichte nicht die Rede war.

Nun, da auch wir uns hier zusammen am Feuer wärmen, so will ich Euch das erzählen, was dieser Druide zu berichten wusste, damit nicht mein Alter und meine Vergesslichkeit die wenigen Bruchstücke, deren ich mich noch entsinne, noch mehr zerfressen. Wenn mir auch im Moment sein Name entfallen ist, so scheint der Gelbgewandete unter seinesgleichen doch ein geachteter Mann gewesen zu sein. Er war nicht sonderlich gross, trug einen weiten, gelben Umhang, sein langes Haar hing ihm in Strähnen ins Gesicht und der Regen hatte seine Bemalung, die offenbar sein Gesicht bei besserem Wetter trug, zum Zerfliessen gebracht.

Er berichtete, dass ihm von den anderen Druiden des Konventes von Marils aufgetragen worden war, die geweihten Hörner des Konventes zu verwahren und ihr Lager damit zu schützen, denn mehrere Druiden des Konventes waren in das Tal gekommen, von unbestimmten Eingebungen geleitet, wie es scheint, um den seltsamen Ereignissen, die sich zuzutragen schienen, nachzugehen. Ob die Baumkundigen sich dabei des Wissens, das von Wurzel zu Wurzel durch die Wälder weitergereicht wird, bedienten, oder aber die Vögel, die Gestirne oder andere Quellen benutzten, um von der Gefahr zu wissen, die auf dem Tal lastete, entzieht sich meinem Wissen. Aber seid gewiss, hätten diese tapferen Druiden und die weiteren anwesenden Abenteurer nicht schützend ihre Hände über den Wald gehalten und dunkle Mächte in ihre Schranken gewiesen, so wäre vielleicht schon hier und heute diese lauschige Stube unter dem Schatten dieser Mächte und nur die Gnade Akhrans könnte uns jemals wieder daraus befreien.

Aber verzeiht mir, ich greife vor, in meiner Geschwätzigkeit. Soweit ich den Ausführungen folgen konnte, waren gut und gerne ein doppeltes Dutzend von beherzten Kämpfern, kundigen Waldläufern, Abenteurern aller Art und auch sonstig weitgereistem Volk in die Schlucht abgestiegen. Der Gelbe erzählte von einem seinem Konvent fernstehenden Druiden namens Kalten aus den Wäldern von Elrón mit seiner Gefährtin, einer Gruppe Waldläufer und weiterer Druiden aus dem weiten Westen hinter den honigsüssen Weiden der Wandler von Mûr im Lande Tôss. Von einer von den Geschicken Tsuffáhls zusammengeführten Reisegemeinschaft. Sie bestand aus einem Waldläufer, der sich Johann nannte, einem freundlichen Holzfäller mit Namen Art, der vorgab nur soviel zu fällen, dass genügend Wald nachwachsen würde. Als der Gelbe von dieser kuriosen Gestalt erzählte, merkte man, dass er diesem Kerl insgeheim nicht traute, obwohl er ihn nur in bestem Licht schilderte. Ferner gehörte ein betrunkener Raki-Priester und ein jugendlicher Druide mit dem Namen Igelas Häckipätsch dieser Gruppe an.

Ein blonder Abenteurer mit Namen Rasálz hatte seinen Weg mit einer kämpfenden Begleiterin gefunden. Ferner eine Gruppe aus dem weiten Norden. Ich glaube mich an ein Land jenseits Dracconias zu erinnern, das er Steinsberg nannte. Ein furchtloser Kämpe mit dem Namen eines Diebes war dabei: Fingers. Sein Weib hiess Thumbs, und wenn man dem erzählenden Druiden glauben will, dann war sie von grosser Neugier. Des weiteren gehörte zur Gruppe dieses Kämpfers einer dieser Elfen, von denen man nie genau weiss, was hinter ihrer weissen, hohen Stirne vorgeht. Ob sie einem zuhören, oder insgeheim nicht schon über die menschliche Vergänglichkeit lachen. Sie nannten den undurchsichtigen Gefährten Yâl. Dann war da ein in die Jahre gekommener Waldläufer mit Namen Arouna und die Druidin Elda, von der der Gelbe nur in höchsten Tönen sprach.

Die Druidin Morwenn
Wenn ich die Erzählungen richtig verstanden habe, dann trafen sich nur einige wenige Mitglieder des Konventes von Marils in der Schlucht. Es waren dies Na-o-tië, die sich vor allem auf die Farben der Natur und ihre Anwendung im richtigen Moment verstand. Dann die Novizin Morwenn um die sich der Druide Asgarîm kümmerte. Einigen von Euch wird er vielleicht noch mit Namen im Gedächtnis sein, denn vor einigen Jahren erreichte die Kunde Tikon, ein Druide aus unserer Mitte, eben dieser, hätte im Lande Dysterthor einen sportlichen Wettkampf gewonnen: Hau den Nursuff. Nicht zu vergessen ist der Druide, den sie Waidelan nannten, denn in den Ereignissen, die folgten, war seine Anwesenheit von höchster Wichtigkeit. Schliesslich der stille Darian und der Gelbe selbst. Jetzt entsinne ich mich auch wieder seines Namens, denn einer der anderen Zuhörer nannte ihn beim Namen: Zaphrian.

All diese Helden hatten sich auf einer Wiese unten in der Schlucht zusammengefunden und ein Lager aufgeschlagen. Es brauchte wirklich keinen Druiden, um zu sehen, dass im Tal nicht alles zum Besten stand. Ruchlose Holzfäller waren dabei, den grössten Teil des Waldes abzuholzen. Der Teil, den sie in Ruhe liessen, war von klebrigen und nicht zu zerreissenden Spinnweben labyrinthartig durchzogen. Es war das Netz einer riesigen Bestie, die von einem primitiven Stamm von Orks angebetet wurde und für ihre Gnade allweil frisches Blut verlangte. Kein Wunder also, dass alles Getier, das kriechen oder laufen konnte, die Schlucht verliess, so dass alsbald neben dem Tosen des Ri-Flusses kein anderes Geräusch der Natur mehr zu hören war, denn auch die Bäume, die sonst miteinander im Wind flüsterten, waren gefällt, oder aber so in den Spinnweben verstrickt, dass ihre Stimmen erloschen waren, und nur den Druiden und Eingeweihten war es möglich, ihr Zittern zu spüren, wenn sie ihre Hand an die Borke der überlebenden Bäume hielten.

Ferner war im Lager bekannt, dass irgendwo im Tal Waldfeen und Kobolde von einer dunklen Macht bedrängt wurden, und man nahm sich vor, nach ihnen zu suchen. Schon in der ersten Nacht zog der Trupp Holzfäller marodierend durch das Lager unserer Abenteurer, die sich noch besprachen und so nicht merkten, wie die ruchlosen Baummörder das halbe Lager plünderten; unter anderem auch den Stab des Novizenmeisters Asgarîm, den er aber am folgenden Morgen unversehrt am Rande des Lagers wiederfand. Selbst diesem gottlosen Volk schien also der Raub eines geheiligten Werkzeuges, wie der Stabes eines Druiden, nicht geheuer zu sein.

Bereits im Morgengrauen fielen die fiesen Orks hinterlistig ins Lager ein, und entführten zwei der Abenteurer, nämlich den betrunkenen Raki-Priester und den Waldläufer Johann. Sie wurden nie wieder gesehen, nachdem die Orks sie unter wilden Gesängen aus dem Zelt gezerrt hatten, und wenn ich hier von ihnen erzähle, so bitte ich Euch bei Mannanan und Care für die beiden zu bitten, wenn ihr das nächste Mal vor ihren Altären opfert, denn nur die Gnade der Götter vermag den Schmerz der Toten über ihren frühen Abschied aus dieser Welt zu lindern.

Die verbleibenden Helden berieten, kaum dass sie ein paar karge Bissen gegessen hatten, wie man die entführten Freunde befreien könnte. Mit geeinten Kräften machten sie sich auf zum Lager der Orks. Sie durchquerten den geschundenen Wald, zwischen leblosen Baumstümpfen und Sägemehl hindurch, vorbei an Haufen von toten Ästen, die achtlos weggeworfen die Wege von Mensch und Tier versperrten. Je näher sie dem Lager der Orks und dem Gestank der achtbeinigen Bestie kamen, desto näher rückten die weissen Weben, die zwischen den verbliebenen, jämmerlichen Bäumen gespannt waren.

Sie passierten einen Wachposten der Orks unbemerkt, aber alsbald stellte sich ihnen der gesamte Stamm an einer engen Stelle zwischen den Spinnweben entgegen. Ein fetter Häuptling führte seine blutrünstigen Krieger an. Diese schulterten Fangnetze, die dafür geknüpft waren, weitere Opfer für ihr schändliches Totemtier einzufangen. Ein Orkschamane kletterte behende durch das Spinnennetz. Er trug einen mächtigen Helm, aus dem lebendige Spinnenbeine hervorragten, die sich mit ihren klebrigen, giftigen Haaren und den Krallen all dessen bemächtigten, dessen sie habhaft werden konnten.

An dieser Stelle muss ich meine Geschichte für einen kleinen Moment unterbrechen, denn ich habe leider einen wichtigen Teil der Schilderung des Druiden verpasst. Es war nämlich so, dass die Schankmaid der Taverne mir einen Teller Suppe über die Schulter reichte, und ich will nicht drei Mal zwanzig Jahre alt sein, wenn das nicht die anmutigste Schankmaid war, die sich da zu mir herdrängte, die ich in langen Jahren meines Lebens je gesehen hatte. Wie auch immer, als ich den Faden der Geschichte wieder erhaschte, war ein Handgemenge entbrannt, und die Orks trieben in ihrer Übermacht die Helden vor sich her zum Lager zurück.

Unsere Helden aber liessen keinen der ihren zurück, sondern trugen auch die schwer Verletzten mit grossherziger Güte zu den sicheren Zelten. Sie verstärkten die Wachen und heilten die Wunden der vielen Verletzten. Allein der Abenteurer Rasálz hatte beide Arme gebrochen, und trug eine heftig blutende Wunde am rechten Bein. Aber er biss auf die Zähne, als ihm der kundige Asgarîm die Arme mit der Hilfe der staunenden Adeptin Morwenn schiente, während sich Zaphrian der Beinwunde annahm. Ich weiss nicht, über was für heilbringende Salben und Tränke die Druiden verfügen, aber das Wunder geschah, und bereits am nächsten Tag konnte Rasálz wieder sein Schwert führen. Wenn ihm das nicht zum Besten bekam, dann liegt das aber keineswegs an der Heilfähigkeit der Druiden, sonderen nur daran, dass sich Tsuffáhl selbst gegen ihn verschworen hatte.

Zaphrian und Morwenn verarzten Rasalz
Fast den gesamten Nachmittag verbrachte man im Lager damit, zu beraten, wie man an den Orks vorbei vorstossen könnte, denn inzwischen war klar, das sowohl das Lager der rücksichtslosen Holzfäller als auch das Versteck oder die Zufluchtstätte der Waldwesen jenseits der Orks liegen musste. Schliesslich gelang es den Druiden, einen aus ihrer Mitte, nämlich den furchtlosen Waidelan, für das Menschenauge unsichtbar zu machen, wozu sie ein Ritual mit allerlei arcanen Beschwörungen, mystischen Gesängen und wilden Tänzen veranstalteten. Erst noch wehrte sich die Gestalt Waidelans dagegen zu verschwinden, aber alsbald wurde sie immer unklarer und schliesslich verschwand sie ganz.

Um Waidelan zu helfen, unbemerkt am Orklager vorbeizukommen, beschlossen die versammelten Druiden vom Konvent Marils gemeinsam, zusammen die Orks abzulenken. Voller Tatendrang kehrten sie zurück in den traurigen Wald der weissen Weben und stellten sich den Orks entgegen, die gleich ihre Gruppe umringten. Sie waren sich der Gefahr wohl bewusst, der sie sich aussetzten, aber mit jeder Minute, die sie kniend unter dem Schutz ihrer Stäbe ausharrten und ihre Gesänge dem Himmel und der Erde zur Freude verkündeten und sich damit davor bewahrten, von den immer wilder zuschlagenden Orks auch nur im geringsten berührt zu werden, mit jeder Minute also wurden sie gewisser, dass Waidelan es geschafft haben musste, unbemerkt die abgelenkten Wachposten zu passieren.

Aber so gut sie sich kniend vor den Angriffen der ungestümen Orks geschützt wussten, desto jäher würden sie unter den Schlägen zusammenbrechen, wenn sie sich über den Schutz des Stabes erhoben. Da kamen die Orks mit einem Netz herbei und fingen die chantende Na-o-tië ein. Jeder Versuch, die Orks zu bewegen, von der armen Druidin abzulassen, schlug fehl. Der ganze wilde Haufen Orks begann, um sie herum zu tanzen, und zu schreien, dass sie denn endlich einhalten möge, den Herrn des Waldes und seine Schöpfung zu besingen. Alle Zauber und Beschwörungen der restlichen vier Druiden half nichts, sie mussten Na-o-tië zurücklassen, denn die Orks bedeuteten ihnen zu verschwinden, ansonsten hätten sie auch noch für sie ein Netz parat...

Die Druiden waren wie zerschmettert über den Verlust, den sie mit eigenen Augen mitansehen mussten. Dennoch berieten sie sich und beschlossen schliesslich, jetzt da die Orks beschäftigt wären, am Lager vorbei zu schleichen, was auch prompt gelang. Denn, so lautete ihre Überlegung, Waidelan der Unsichtbare könnte der armen Na-o-tië nun als einziger noch helfen, und gewiss hatte er ihre verzweifelte Lage bemerkt. Also machten sich die Druiden auf, das Tal hinter dem Orklager zu erkunden. Hier verlief ein Bach quer über eine Sandbank, um sich in den Ri-Fluss zu ergiessen. Die Sandbank war gut und gerne zwei hundert Schritte breit, und die Orks konnten von ihrem Lager aus das gesamte Gelände einsehen.

Die Holzfäller hatten auch hier bereits breite Schneisen in den Wald gehauen. Am Rande eines dieser toten Flecken hatten sie ihr Lager aufgeschlagen. Die Druiden erfuhren von den Holzfällern, dass sie von einem hageren Waldläufer für das Morden des Waldes bezahlt wurden. Den Namen des Verdingers wollten sie allerdings nicht verraten, wohl aber boten sie den Druiden Met an, den sie von ihrem Geldgeber erhalten hatten.

Der Anführer der Feenwesen
Weiter hinten im Tal schliesslich stiessen die Druiden auf einer Anhöhe auf eine silberne Mauer, die ein Geviert Wiese umgab. Darin scharten sich seltsame Wesen aus dem Wald. Ein mannshoher Fliegenpilz, Kobolde mit langen, haarigen Schwänzen, ein Wichtel mit Spaten, wie sie von manchen Bewohnern Tikons aus Ton geformt und bemalt im Garten aufgestellt werden, schliesslich ein weiterer Kobold, der Liebespfeile zu verschiessen wusste, eine wandernde Blume, deren wunderschöne Blüte so weit wie die Arme einer erwachsenen Frau ausluden und zu guter letzt drei der geheimnisvollen Fiëë, die alsbald hierhin schweifend, alsbald dorthin wandernd im Geviert umherirrten, ohne es wieder verlassen zu können. Am Rande des silbernen Gefängnisses war das Haus einer Hexe gebaut, die sich Tea nannte.

Sie erzählte, wie sie eines Abends von der Suche nach frischen Kräutern und wirksamen Wurzeln im Wald zurückgekehrt sei zu ihrem Haus, als plötzlich diese silbernen Wände es von der Wiese abgeschnitten hätten. Sie konnte beobachten, wie immer mehr der Wesen aus dem Wald angelockt wurden, und alle Warnungen halfen nichts, als sie von einer magischen Kraft erfasst durch ein sich plötzlich auftuendes Loch in das Gefängnis hineingezogen wurden.

Hier machte Zaphrian eine Pause in seiner Erzählung, und die Spannung lastete schwer auf uns; dann fuhr er fort. Es sei bekannt, dass gerade Druiden in jungen Jahren noch besonders offen für die Eingebungen der verschiedenen ihnen freundlich, aber oft auch unfreundlich gesonnenen Kräfte seien. So kam es, dass sich Morwenn, die Adeptin, als die anderen mit dem grossen Fliegenpilz und seinen Gefährten durch die Wand hindurch sprachen, unter einen Baum legte, um etwas auszuruhen. Aber sie träumte einen langen Traum von einem Tal, dass von Feuer verbrannt nur noch aus toter, schwarzer Asche bestand. Entsetzt wachte sie auf und erzählte von dem, was sie geträumt hatte. Auch von einem Weg hatte sie erfahren, den man beschreiten musste, um durch die Mauer hindurch zu den verwunschenen Wesen zu gelangen. Aber die Gegenstände, die einem erlaubten, diesen Weg zu beschreiten, schienen schwierig zu beschaffen zu sein.

Ratlos sahen die Druiden, wie die letzten Sonnenstrahlen die umliegenden Berggipfel streiften, und es dauerte nur eine kurze Dämmerung lang, bis das ganze Tal vom fahlen Mondlicht der Nacht in eine gespenstische Landschaft verwandelt war. Zur einen Seite lag die silbrig funkelnde Wand, hinter der die wehklagenden Gesänge der Fiëë zu hören waren. Das still dahinfliessende Wasser das Baches, das sich seinen Weg durch das Tal suchte. Unzählige Baumstümpfe säumten die Sandbänke zu beiden Seiten des Baches. Weiter unten im Tal waren die dunklen Berge von gestapelten Bäumen zu erkennen. Man vernahm die monotonen rauhen Gesänge der Orks, die von unten her heraufklangen und sah, dass Gestalten um grosse prassende Feuer tanzten.

Allein das Lager der Holzfäller war nicht einzusehen, denn es versteckte sich unter einem Felsvorsprung. Unsere Druiden hofften, dass der neue Tag ihnen das Glück zurückgeben würde, um die Fiëë befreien zu können, und machten sich auf den Weg zurück ins Lager. In der Dunkelheit war es ein leichtes, am Ri-Fluss entlang an den Orks vorbeizuschleichen. Sie führten kein Licht bei sich, um nicht entdeckt zu werden, und so passierte Zaphrian ein grosses Ungeschick. Er wähnte sich dem wärmenden Feuer schon nahe, als sich plötzlich bei ausladendem Schritt sein Stab in den Fängen eines neu gesponnenen Spinnennetzes verfing. Alles Zerren half nichts, das Symbol seiner Stärke und seines Wissens war gefangen. Ein Glück, dass er nicht selber verklebt worden war. Durch dichtes Gestrüpp bahnten sie sich einen Weg an den Weben vorbei zu den Zelten.

Dort fanden sie die völlig entkräftete Na-o-tië vor, die sich selbst aus den Händen der Orks hatte befreien können. Zuerst war es Waidelan dank seiner Unsichtbarkeit gelungen, unbemerkt mitten in ihr Lager hinein vorzudringen. Er löste Na-o-tiës Fesseln, und mit einem funkensprühenden Spruch gelang es ihm, die Orks für einen Moment lang zu vertreiben. Zeit genug für Na-o-tië aus dem Lager zu flüchten. Aber so sehr sie auch rannte, der Weg zurück zum Lager war weit, und ohne Stab, den die Orks ihr zum Hohn in das innere Versteck der Spinne geworfen hatten, hatte sie keine Möglichkeit, Schutz zu finden.

Sie rannte so schnell ihre Beine sie auch trugen. Dornige Winden versperrten ihr den Weg, die Spinnweben haschten nach ihr, und mehr als einmal fiel sie in den Staub, um sich aber gleich wieder aufzuraffen und weiter zu eilen. Aber kurz bevor sie ihr Ziel erreicht hatte, ihre Schreie waren im Lager bereits zu hören gewesen, erwischten sie ihre Verfolger und schleiften sie unter grossem Gelächter zurück in ihr Lager. Ihre Peiniger sperrten sie in ein Gefängnis aus Spinnweben, in dem sie warten sollte, bis die fette Bestie Durst nach frischem Blut hatte.

Aber soweit kam es nicht. Denn als sie sich unbemerkt wähnte, begann Na-o-tië mit einem Zauber, der selbst mich überrascht hätte und das will ich wohl sagen. Nach all den vielen Jahren, die ich auf der Wanderschaft bin, nachdem ich im Kampf gegen den Herzog in Tikon an der Seite Razamóns stand, nachdem ich mich in Tingen gegen die Namenlosen gestellt habe, nachdem ich im wilden Wexxel den Vampiren zum Trotz nach allerlei wertvollen Schätzen im Schutt gesucht - und auch welche gefunden - habe, nach all diesen Abenteuern bin ich nicht mehr so schnell zu überraschen. Dass die junge Na-o-tië aber vermochte, sich mitten in einem Gefängnis aus Spinnweben in einen Vogel zu verwandeln, das hätte selbst mich sprachlos gemacht. Umso mehr die primitiven Orks, als sie die wundersame Gestaltwandlung bemerkten, und heraneilten.

Aber auch sie konnten nicht mehr eingreifen, denn der Priester war nicht im Lager, und sie selbst vermochten die Spinnweben auch nicht ohne Gefahr zu berühren. Vor den Augen der versammelten Orks flatterte die verwandelte Na-o-tië also aus dem Kerker heraus und so schnell sie ihre Flügel trugen zurück ins Lager, wo sie Waidelan bereits erwartete, denn er war dorthin zurückgekehrt, als er spürte, dass der Zauber verwirkt war und seine Gestalt langsam wieder anfing das Licht abzuwehren und nicht mehr durch sich hindurch liess. Man kann sich gewiss vorstellen, wie sehr sich die Druiden des Konventes mit den anderen Abenteurern zusammen freuten, dass alle wieder wohlbehalten im Lager zurück waren.

Asgarîm in einer ruhigen Minute
Doch die Freude währte nicht lange. Denn bereits schlichen wieder Orks durch die Dunkelheit und erhaschten den einen oder anderen, der unvorsichtig seinen Rücken schutzlos der Nacht preisgab. Immer zahlreicher wurden die Orks, immer schwächer die tapferen Krieger, die sich um das Feuer der Druiden scharten. Bald war das ganze Lager eingeschüchtert bei den Druiden versammelt, die, so gut es ging, versuchten, Ruhe in die Reihen zu bringen. Bald traten die Orks aus der Dunkelheit heraus und verlangten lauthals, dass die Menschen das Tal verlassen sollten. Durch Geschenke liessen sie sich längst nicht mehr besänftigen, und auch die vorsichtigen Worte von Morwenn beruhigten die aufgebrachten Fratzen der Orks nicht mehr.

Asgarîm versuchte einem bedrängten Kämpfer zu helfen, indem er dessen Gegner schmerzbringende Sporen entgegenschleuderte, aber der Orkpriester, der dessen gewahr wurde, strengte sich dermassen an, dass er es vermochte, vor den Augen aller Asgarîms Stab aus der Hand des tapferen Druiden zu reissen und ihn gut und gerne drei Doppelschritte durch die Luft zu sich her fliegen zu lassen.

Immer mehr Verletzte waren in den Handgemengen zu verarzten, aber die Helden harrten aus. Wo immer einer niedersank, nahm ein anderer seine Stellung ein. Der schwer verwundete Rasálz hielt die Orks mit einer Krücke von Elda weg, die ihre Begleiter Arouna und Yâl, hingebungsvoll pflegte. Fingers konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, denn er verlor laufend Blut aus einer breiten Wunde am Hals, und wären nicht die unerschrockenen Waldläufer aus den Weiten des Westens zugegen gewesen, dann wären die Orks in dieser Nacht ohne Zweifel siegreich und mit reicher Menschenbeute heimgekehrt. Aber so gelang ihnen das nicht, und sie trotteten in kleinen Gruppen enttäuscht durch den toten Wald zurück in ihr Lager.

Zaphrian erzählte, dass er zu diesem Zeitpunkt die Stimme einer Eule im Geäst einer dicken Tanne, die den Holzfällern bis dahin wiederstanden hatte, vernommen habe, und da wusste er, dass sich damit das Blatt gewendet hatte. Denn seht, die Geschicke Tsuffáhls sind nicht für alle Menschen offenbar, wer aber in seinem Glauben standhaft der Gefahr trotzt, dem wird auch die Göttin des Schicksals wiederum ihre Gunst zuwenden.

In aller Frühe machten sich die Druiden auf, um die gestohlenen Stäbe zurückzugewinnen. Denn nur noch drei waren in ihrem Besitz. Na-o-tië hatte ihren in der Gefangenschaft verloren. Derjenige von Zaphrian hatte sich im Netz verfangen, und der von einem Kristall gekrönte Stab Asgarîms schliesslich war ihm vom Priester der Orks aus den Händen gerissen worden. Die Orks schliefen noch alle, als die Druiden ihr Lager in aller Stille erreichten. So gelang es ihnen, alle drei Stäbe wieder zurückzugewinnen, wenn auch Zaphrians Stab seiner Spitze - eines geweihten Horns - beraubt war, denn selbst die Orks hatten den Stab nur mit Hilfe einer Säge aus dem Netz befreien können.

Zurück im Lager wurde eiligst alles unternommen, um möglichst bald zum Gefängnis der Fiëë aufbrechen zu können, denn der Druide Kalten war bereits am Tag zuvor in den Besitz der von Morwenn erträumten Gegenstände gekommen, und so hoffte man, die Fiëë möglichst bald befreien zu können.

Fürwahr, die Geschichte, die uns Zaphrian da erzählte, gefiel mir sehr. Aber auch dem wohlschmeckenden Bier war ich sehr zugetan, zumal es von einer so liebreizenden Schankmaid serviert wurde, der ich nur zu gerne in den Ausschnitt guckte, wenn sie sich vorbeugte, um das Feuer zu schüren. Auf jeden Fall hielt ich es kaum noch aus auf meiner Bank und musste nach dem vierten Krug Bier endlich vor die Türe in den Sturm treten, um meine Blase zu entleeren. Als ich schon wieder halb durchnässt zurück in die Taverne eintrat, war die Geschichte schon so weit fortgeschritten, dass fast alle ihren Weg an den Orks vorbei zur silbrigen Mauer auf der Wiese gefunden hatten.

Fingers und Thumbs waren als Aussätzige getarnt unbehelligt am Orklager vorbei gekommen. Nur Rasálz war von den Orks gefangen worden. Sie schleppten ihn in das Labyrinth der Spinne, von wo nur noch seine Schreie zu unseren Freunden an den Fluss drangen.

Mit Hilfe des Traumes von Morwenn und den rituellen Gegenständen von Kalten gelang es, von einer Wassernymphe, die in einer nahen Höhle wohnte, eine wunderschöne Blume zu erhalten, deren Name Mondteichblüte war und mit deren Hilfe man die Mauer passieren konnte. Zaphrian erklärte die genauen Handgriffe und rituellen Vollführungen, die dabei zu bewerkstelligen waren, in aller Länge, aber einerseits habe ich sie kaum recht verstanden, und andererseits würden sie Euch wohl kaum sehr interessieren. Nun denn, so gelangten fast alle der Abenteurer in das Gefängnis hinein, nur vor dem Druiden Darian und den weitgereisten Helden aus dem Westen versagte der Zauber, und sie mussten draussen bleiben.

Drinnen wurde eifrig beraten. Die Wichtel und Kobolde wussten um ein Ritual, mit dem man den Herrn des Waldes aufwecken und zur Mithilfe im Kampf gegen die Orks und den Erbauer des schrecklichen Gefängnisses bewegen konnte. Denn nun, da auch noch die Helden sich drinnen drängten, war es bedenklich eng auf der kleinen eingemauerten Wiese geworden. Zu Ehren des Herren des Waldes sollten die versammelten Helden rituell Tee brauen, der den Herrn dann wecken würde. Zuerst sollten aber die Kobolde und Waldwesen davon kosten dürfen - dies bedungen sich diese aus. So brauten denn die Druidin Elda, der junge Igelas und Fingers einen Topf mit Tee. Für den Konvent der Druiden von Marils braute Asgarîm den Trunk, denn besonders er verstand sich darauf hervorragend.

Es dauerte einige Zeit, bis frische Kräuter zum Brauen des Tees gesammelt worden waren und die Töpfe endlich brodelten. Da bahnten sich plötzlich zwei dunkle Gestalten mit einem Begleiter ihren Weg an den wenigen vor der Sperre noch auf Einlass wartenden Kämpfern vorbei. Der Begleiter war äusserlich kaum von den Helden zu unterscheiden und die beiden Schwarzen benutzten ihn für kleine Botengänge und als Übersetzer. Der eine der beiden Schwarzen war recht breit und trug einen langen Schnurrbart. Der andere, noch etwas grösser und schwerer als dieser gebaut, war ebenfalls ganz in schwarz gekleidet. Sein Gesicht aber war nicht das Gesicht eines Menschen, sondern nur der zu neuem Leben erweckte Schädel eines Trolls, denn soviel konnte von der Grösse dieser Fratze gesagt werden.

Erschreckt wichen die Kämpfer zurück. Aber auch die Waldwesen wurden von grosser Angst erfüllt, denn sie erkannten, dass dies ihr Kerkermeister sein musste. Die drei wandten sich indessen dem Haus der Hexe Tea zu, denn aus deren Fenster konnte die ganze Wiese gut eingesehen werden. Zaphrian wagte sich vor und versuchte mit einem Wirbel, bei dem er seinen Stab über seinem Kopf schwang und laut rief, während er in der Drehung aus der einen Hand Federn fallen liess, die dieser Zauber benötigte; mit diesem Wirbel hoffte er genügend Wind erzeugen zu können, um den Fensterladen zuschlagen zu lassen, auf dass den schwarzen der Blick auf ihr Werk verwehrt würde.

Ich weiss nicht zu sagen, ob es an der fehlenden Spitze von Zaphrians Stab oder aber an der Kraft seiner Gegner lag, dass der erzeugte Wind nicht ausreichte, um sein Ziel zu erreichen. Mit gebeugtem Haupt suchte Zaphrian Schutz bei seinen Freunden, denn nichts ist hilfloser als der Magier, der erkennt, dass seine Macht nicht ausreicht, um seinen Gegnern beizukommen. Unterdessen hatten die Brauer ihren Tee vollendet und die Kobolde begutachteten schlürfend die gelungenen Kreationen. Asgarîms Tee war mit dem Geist der frischen Kräuter angereichert. Elda hatte aus Beeren die rote, wohlschmeckende Flüssigkeit herausgepresst, und Fingers schliesslich seinen Tee mit dem Honig frischer Waben gesüsst.

Damit machten sie sich auf, den Herrn des Waldes zu suchen, denn den Menschen war es, anders als den Waldwesen, möglich, das Gefängnis zu verlassen. Zaphrian wusste nichts über den Herrn des Waldes zu erzählen. Möglich, dass er sein Geheimnis vor uns bewahren wollte, möglich aber auch, dass er nicht bei dieser Wanderung an den geheimen Schrein dabei gewesen war, denn nur wenige Helden wagten sich zu dieser Zeit noch in den Wald, der von den beiden Schwarzen und den Orks durchstreift wurde.

Aber es dauerte nicht lange, und ein frohes Rufen erklang aus dem Wald. Der Herr des Waldes hatte den tapferen Kriegern eine grosse Gnade erwiesen und sie mit einem heiligen Speer beschenkt, mit dem die grosse Spinne umgebracht werden konnte. Inzwischen war auch die Mauer des Gefängnisses gebrochen - sicherlich auch das die Tat des Herrn des Waldes. Aber die schwarzen Gestalten vermochten es, kurz bevor sie sich zurückzogen, all die Wichte und Kobolde, die sie angelockt hatten, mit einem Bann zu belegen. Und so kam es, dass die Retter plötzlich vor den eben erst noch Gefangenen fliehen mussten, denn die Kobolde und Wichtel setzten ihnen unter wilden Verwünschungen nach.

Im Wald sammelten sich die verwegenen Abenteuerer und berieten sich, wie der Spinne im Orklager am ehesten beizukommen sei. Inzwischen berichteten die Späher, dass der Schwarze mit dem Schnurrbart dabei war, eine tiefer gelegene Wiese mittels blossem Darüberschreiten in schwarze Asche zu verwandeln - so gross war seine Macht. Auch ein Name wurde nun von Mund zu Mund gereicht. Dies müsse der dunkle Aryn sein, von dem düstere Sagen und Märchen erzählten. Alle zusammen fürchteten sie sich, und aus dem Unterholz - denn an dieser Stelle waren die Holzfäller noch nicht angekommen - hörte man Geräusche, die verrieten, dass die Orks den Wald durchsuchten.

Man versuchte nun zum Orklager vorzudringen, um die Spinne zu töten. Aber so sehr die Helden, durch kundige Waldläufer geführt, sich auch bemühten an das Lager der Orks heranzukommen, es gelang nicht. Vielmehr mussten sie sich bald hierhin, bald dorthin zurückziehen. Zu gelichtet waren ihre Reihen. Nicht wenige waren nämlich von Aryn und seinen Gefährten umgebracht worden, als sie nicht fliehen konnten. Andere wiederum erwischten die Orks und schleppten sie in ihr Lager.

Schliesslich gaben sie den Versuch auf, die Spinne zu besiegen, denn die Nacht rückte näher, und das schwarze Feld, das Aryn vorbereitete, wuchs zusehens. Wer aber die alten Geschichten kannte, der wusste, dass dem Dunklen nur bei Tageslicht beizukommen war. So beschlossen die verbleibenden Abenteurer alle Kräfte zu sammeln und sich Aryn zu stellen, denn nur so konnten sie noch hoffen, vor dem Einnachten seinem Tun Einhalt zu gebieten. Im Schutze der Kämpfer bereiteten sich die versammelten Druiden, die den Kampf unbeschadet überlebt hatten, auf eine grosse Beschwörung vor. Sie setzten sich im Kreise nieder und suchten unter den weit ausladenden Ästen der Riesen des Waldes ihre Ruhe und Konzentration.

Der rauschende Riese

Dann erhoben sie sich und begannen die Geister des Waldes anzurufen. Die lebenden und die Seelen verstorbenen Bäume. Immer lauter und flehender wurden die Rufe der Druiden, so dass es den sie schützenden Kriegern angst und bang wurde, aber sie wagten nicht sich umzuwenden, denn die Orks waren inzwischen nahe herangekommen und bedrängten sie arg. Manche der Druiden brachen in lautstarkes Weinen und Schluchzen aus, das sich im ganzen Wald verbreitete. Aber auch die Tiere halfen mit: die Eule sagte es dem Eichhörnchen, der Maulwurf raunte es dem Dachs zu, der Hirsch berichtete es einem Fuchs. Sie alle sollten das Ihre dazu beitragen, dass die Natur ihre Kraft an einen einzigen Punkt sammelte, an dem sie die Gestalt einer neuen Kreatur annehmen sollte.

Mit aller Macht der Natur gestählt sollte sie Aryn aus dieser Welt vertreiben. Auf ein Mal wurde der Kreis der Druiden von einem Beben erfasst. Die Erde begann sich zu bewegen. Die Blätter erhoben sich plötzlich vom Boden und nahmen Gestalt an. Erschöpft bestaunten die Druiden ihr Werk. Ein rauschender Riese aus Rinde, Ästen und Blattwerk war geschaffen worden. Mit tiefer grollender Stimme verlangte der baumgleiche Riese nach einem Führer, der ihm den Weg zu seinem Gegner wies. Aber nur Elda verfügte noch über genügend Kraft, ihn anzuweisen.

So bahnte er sich dann seinen Weg zum schwarzen Feld Aryns. Die restlichen, völlig entkräfteten Druiden sanken zusammen und blieben zumeist bewusstlos liegen. Auch die Krieger waren zusammen mit dem Wesen aus dem Herzen des Waldes abgezogen und hatten sich Aryn zugewandt. Da trat plötzlich der eine Schwarze mit der schrecklichen toten Fratze aus dem Wald hervor. Begleitet wurde er von seinem menschlichen Boten und einem weissen Geist, den der Orkpriester zum Schutz der Spinne beschworen hatte, als er von der Gefahr gehört hatte, die ihr lauerte, seit der Herr des Waldes die Helden mit einem heiligen Speer beschenkt hatte. Einem Feldherren nach gewonnener Schlacht gleich, schritt der Schwarze zwischen den bewusstlosen Druiden umher. Er ahnte nicht, dass mittlerweile auf der Wiese jäh ein heftiger Kampf entbrannt war.

Flankiert von den verbleibenden Kämpfern bahnte sich der stämmige Waldriese einen Weg durch die Reihen der Orks. Fast hatte er Aryn erreicht, als dieser dem Töten Einhalt gebot und den Sohn des Waldes für kurze Zeit unter seine Macht bringen konnte. Denn Aryn hatte einen grausamen Plan: Schachfiguren gleich sollten die verletzten und erschöpften Abenteurer gegen seine Orks ein Spiel auf der schwarzen Fläche spielen. Der Gewinner sollte dann das Sagen haben in diesem Tal und die Macht, den Verlierer aus diesem zu verbannen.

Schliesslich willigten unsere Helden ein, denn sie merkten, dass nicht einmal die Kraft des Waldes, die die Druiden beschworen hatten, ausreichte, um Aryn beizukommen. Währenddessen waren die Druiden zur Mehrheit wieder aufgewacht, als der Schwarze ihren Beschwörungsplatz verlassen hatte. Einzig Darian schlief noch weiter. Er zeigte kaum noch Lebenszeichen, so dass Morwenn ihre letzten kräftespendenden Arzneien aufbrauchen musste, um ihm wieder etwas Kraft einzuhauchen.

Die Helden stellten sich also auf dem von Aryn bezeichneten Spielfeld auf. Sie waren zu wenige, um bestehen zu können. Das sahen die Kobolde und Wichtel, die sich vom Bann Aryns gelöst hatten, und kamen ihnen zu Hilfe. Auf der Gegenseite hatten sich die grimmigen Orks aufgestellt, bereit, jeden einzelnen geschundenen Abenteurer umzubringen und sein Blut der Spinne darzureichen. Der beschworene Helfer aus dem Forst war so riesig, dass er zwei Positionen des Spielfeldes einnahm. Rasch und ungestüm rückten die Orks gegen die Helden vor. Diese zitterten um ihr Leben ob der anrückenden Gefahr.

Die Kobolde, die eben noch in grossen Tönen ihren Mut verkündet hatten, wurden zusehens stiller und der grosse Fliegenpilz legte seinen sonst so weit ausladenden Schirm immer enger an seinen Stamm. Aber die Orks waren zu unvorsichtig, und einer nach dem anderen wagte sich zu weit in die Reihen der kampferprobten Helden vor. Da vermochten sie ihn jeweils zu zweit und zu dritt einzuklemmen und aus dem Spiel zu befördern.

Nun, da die Reihen der Orks sich langsam zu lichten begannen, da gab Elda dem Sohn des Waldes, denn unter ihrer Kontrolle stand er, das Zeichen sich nun seinerseits nach vorne aufzumachen, und so pflügte er sich eine Furche durch die Asche des Feldes, und die Orks wichen voller Furcht zur Seite. Als Aryn erkannte, dass sein Plan scheiterte, versuchte er mit Hilfe eines magischen Gegenstandes, den er in der Mitte des Spielfeldes postiert hatte, zu entkommen. Er war eben dabei, in der schwarzen Asche, die er angehäuft hatte, zu versinken, als der gewaltige Riese ihn erreichte und unter seinen Fängen zermalmte. Da verschwand die schwarze Fläche, und die grüne Wiese kam wieder hervor.

Damit war auch der Mut der Orks dahin. Wild schreiend flüchteten sie zurück in ihr Lager. In derselben Nacht gelang es der nimmermüden Elda, die Spinne mit dem Speer umzubringen, auf dass ihr Durst nie mehr ein Menschenleben kosten möge. Die Holzfäller, die auch von Aryn angeheuert worden waren, verliessen das Tal noch vor dem ersten Sonnestrahl. Die Helden aber zogen siegreich in ihr Lager zurück, wo sie noch weit in die Nacht hinein ihren Sieg feierten. Aber wie es unter Abenteurern üblich ist, trennten sie sich schon am folgenden Tag und zogen von dannen. Genau so wie die Druiden des Konventes von Marils, denn auch sie kommen nur dann zusammen, wenn die Gefahren es bedingen.

Damit schloss der Druide Zaphrian seine lange Erzählung. Erleichtert über den Sieg der guten Helden nickten die gebannt zuhörenden Gäste dem Erzähler zu, denn er verstand es wahrlich, gut zu erzählen. Aber die Nacht war schon fortgeschritten und so legte sich einer nach dem andern zwischen den Stühlen und Bänken der Taverne zum Schlafen nieder. Als ich am Morgen aufwachte, erinnerte im Schein der aufgehenden Sonne nichts mehr an die beklemmende Geschichte, die uns der fremde Druide erzählt hatte. Aber auch Zaphrian war bereits verschwunden, und niemand hatte gesehen, welche Richtung er eingeschlagen hatte.




Geschrieben von folini; zum letzten mal bearbeitet von GbO am 30 Nov 2002