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Umtriebige Aktivitäten des Scheichs der Mu-Sul-Manen

Scheich Rereshqala: empört über Vergabe der Vogtei Hornfels


Ein Beleg für eine reiflich differenzierte Reaktion des ehemaligen Grossveziers


Nachdem der tikonische Regent Gloozi ben Noën am Regententurnier des Jahres 32 GT die Vogteien Rossôm-Roed, Tôs und Hornfels als Preis an getreue Streiter vergeben hat, kam es zu einigem Tumult im sandigen Lager des nur wenige Wochen zuvor zum Nachfolger von Scheich Topa Sallior gewählten Rereshqala. Der ehemalige Grossvezier, welcher bekanntermassen immer noch Wertvorstellungen und politischen Strukturen nachhängt, welche spätestens mit seinem Sturz und Flucht aus der Stadt Tikon begraben hätten werden sollen, brach in rasante Aktivität aus, denn er ist überzeugt, dass besonders das Gebiet der Vogtei Hornfels zum Besitz der wandernden Mu-Sul-Manen gehört und von Gloozi niemals hätte verschenkt oder verliehen werden dürfen. Einfach aus dem Grund, weil es ihm selbst und keinesfalls Gloozi gehört. Aber wie sagte schon alte Obmann der Händlergilde: "Man soll nie mehr versprechen, als man behalten will.", und wer fremdes Gut verspricht, der behält auf jeden Fall mehr.

Hier nun drei Briefe, die Rereshqala schleunigst in seinem blumigen Stil diktierte, und die von einem Vorgehen auf mehreren Ebenen zeugen. Er versandte sie an den neubeschenken Vogt von Hornfels, Tuan de Uruloki, an den Regenten Gloozi ben Noën und an dessen Regierungspartnerin Prinzessin Nyala.
Es braucht nicht speziell erwähnt zu werden, dass diese Schreiben aussprüchlich geheimen Boten anvertraut wurden, welche sich hüten würden, sie an die Öffentlichkeit zu tragen. Ihr Auftauchen an dieser Stelle kann also nur den Zweck haben, Eure Neugier auf die tikonische Geheimdiplomatie etwas zu befriedigen, während man in Tikon nur ratenderweise auf die Absichten des Scheichs zu sprechen kommt.


An den frischgebackenen Vogt Tuan de Uruloki

Im Namen Akhrans des Vaters aller Kamele entbieten wir, unsermeine wenigliche Sandigkeit Rereshqala, Scheich aller wandernden Mu-Sul-manen, Träger des allumspannenden Turbans, Führer der einzig wahren Meharireiter und langjähriger Grossvezier des Kalifats Tikon, Euch den Gruss. Im Andenken an die Heimsuchungen die Ihr und Euer Volk erst unlängst mit traumwandlerischer Sicherheit abgewendet habt, scheint es uns weniger als angebracht, Euch diese eifrig hingeworfenen Zeilen senden zu müssen, aber die Zeit drängt, der Verrat ist nah und mein jüngst angetretenes Amt lässt mir keine Wahl als der Vergabe der neu geschaffenen Vogtei Hornfels an Euch tapferen Retter des Landes Uru-Loki sofort entgegenzutreten. Das Land, welches der unsägliche Gladiolenstutzer aus Tikon, Schänder der Kalifischen Stadt, Marionettenzauberer in Gardengestalt, Mumenschanz in der Perle am Li-Fluss an Euch vergeben zu können hoffte, ist in keinster Art und Weise seines, geschweige denn das der Stadt Tikon. Ihr seid mit der Tatsache bekannt, dass die Herrschaft des Ungläubigen sich rechtlich nur in Sichtweite der Stadt erstreckt, alles weitere aber unter der Hoheit des Stammes der wandernden Mu-Sul-Manen liegt. Dass das Land, welches er neuerdings Hornfels nennt, zudem aus guten Teilen Sole besteht, das Euch Uru-Loki bereits gehört und zu einem weiteren Teil Wälder umfasst, die zum Gebiet der freien Oasenstadt Wexxel gehören. Wie uns zugetragen wurde, hofft der Usurpator auf einen baldigen Ausbau der Taverne Zum Vergilbten Einhorn" zu einer Vogteiburg Hornfels. Wir weisen Euch darauf hin, dass Gloozi in der Tat Besitzer dieses kleinen Fleckens Land ist, den er gerne auch verleihen darf, was aber nicht bedeutet, dass die Taverne nicht auf Stammesland stehen würde, was ihn und damit auch Euch zu einem Huldigungseid vor unseren Schnabelschuhen verpflichtete. Nichts läge uns ferner, als einen so tapferen und ausgewiesenen Helden, wie Ihr es seid, nicht als unseren Nachbarn und noch viel mehr als Streiter in unseren Reihen sehen zu wollen, aber wir weisen Euch darauf hin, dass sich Eure Hoheit auf keinen Fall über die Wiesen um die oben genannte Taverne hinaus erstrecken kann, noch weiter als das bereits von Euren Mitbrüdern der Uru-Loki bewohnte Gebiet reichen wird.
Zur Bestätigung des hier geschriebenen hängen wir unser persönliches Siegel an diesen Brief. Gegeben im Lager des Scheichs, unweit der Stadt Wexxel, am Karawanenweg nach Tikon, am einundzwanzigsten Tag des Herbstmonats, im dreissigsten Jahr der Gründung Tikons, im ersten Jahr unserer Herrschaft.


An den Regenten von Tikon, Gloozi ben Noën

Im Namen Akhrans des Vaters aller Kamele entbieten wir, unsermeine wenigliche Sandigkeit Rereshqala, Scheich aller wandernden Mu-Sul-Manen, Träger des allumspannenden Turbans, Führer der Meharireiter und langjähriger Grossvezier des Kalifats Tikon, Eurer Hohheit oh Gloozi, Regent der Perle am Li-Fluss, leitender Gebieter Tikons und strammste Tulpe im Garten den Gruss. Mit Wohlwollen nehmen wir seit Jahren die vielfältig nötigen und keinesfalls unsinnigen, die überaus wichtigen und niemals vergeblichen, die weitblickend konzipierten und käumlichstens mangelhaften Modernisierungen der Verwaltung und Stadt Tikon in allen Belangen zur Kenntnis, die ohne Eure tatkräftige Initiative niemals auf diese Art und Weise möglich wären. Wir denken dabei an das so brillante wie kapitalfördernde Tourisem-Projekt oder den glozoologischen Garten, dessen Ruf weit durch die Wüste säuselt. Nachdem der ehrwürdige Stammesrat der wandernden Mu-Sul-Manen vor einigen Wochen, zwei Jahre nach dem tragischen Tod meines verehrten Freundes Scheich Topa Sallior, den, ich darf wohl sagen, in die Zukunft weisenden Entscheid getroffen hat, meiner Untätigkeit ein Ende zu bereiten und mich in die schnabelnden Fussstapfen meines langjährigen Weggefährten treten zu lassen und mich somit zum Scheich gewählt hat, befinde ich mich zur Zeit auf einer Reise durch die verschiedenen Oasen der mu-sul-manischen Wüste, die mich bereits nach Wexxel und Hausen geführt hat, wo ich meiner tief empfundenen Freundschaft (und ich gebe zu im Falle von Wexxel auch der tief sitzenden Angst vor den Vampiren) Ausdruck zu verleihen Gelegenheit hatte; auf eine Art, die den Rahmen der üblichen zujubelnden Zeremonien übertraf und ich darf mit Behagen feststellen, in meinem Amt bestätigt worden zu sein. Auf dem schlängelnden Weg nach Süden an den Hof der Königin von Shil-O erreichte mich die Nachricht von der erfolgreichen Durchführung Eures Regententurniers; eine vortrefflichen Idee übrigens, zu der ich Euch nur gratulieren kann. Selbst die lukrative Vergabe von Vogteien an die Gewinner, welche die Tradition, die mit der Vergabe des Harthings Bonrim an Euren Gefolgsmann Elwyn Bonrim seinen Anfang nahm, auf so treffende Art und Weise fortsetzt. Ich brauche Euch nicht zu sagen, was für eine grosse Freude es für uns immer war, zu sehen mit wie viel Liebe da eine Eurer treuesten Garden die Wüste unter seinen Händen zum Blühen brachte und wie warm es den wandernden Nomaden ums Herz wurde, wenn sie sahen, dass da ein Vorposten der Stadt Tikon seine Fühler bis an ihre Karawanenrouten heranstreckte, auf dass sie nicht mehr alleine in der Wüste ausharren mussten. Ähnlich ist es nun mit der Vogtei Hornfels um die Taverne zum vergilbten Einhorn" herum. Wir fühlen uns in der Aufmerksamkeit, die ihr dem nomadischen Besitz entgegenbringt, tief geehrt und freuen uns, mitansehen zu dürfen, wie diese Partnerschaft, einem wachsenden Spinnennetz gleich, unsere Wüste durchzieht. Die kleinen rechtlichen Unstimmigkeiten und Problemitäten, welche von Euch eventuell übersehen wurden, hoffen wir bei unserem Besuch der Eröffnungsfeierlichkeiten der Akademie zu Tingen mit Eurer vielgeschätzten Hilfe aus dem Weg räumen zu können, wo wir auch damit rechnen, den Eid des neuernannten Vogtes von Hornfels Tuan de Uruloki auf die gebietliche und gebieterische Hohheit im Gebiet des sandigen Manenlandes entgegennehmen zu dürfen. Damit dieser Brief bestärkt und bestätigt wird, so hängt unsermeine wenigliche Sandigkeit der obgenannte Scheich Rereshqala, sein Siegel an diesen Brief. Gegeben am ersten Sonntag nach dem regentlichen Turnier, im 30. Jahr der Gründung Tikons, im ersten Jahr unserer Wahl.


An die mitregierende Prinzessin Nyala

Im Namen Akhrans des Vaters aller Kamele entbieten wir, unsermeine wenigliche Sandigkeit Rereshqala, Scheich aller wandernden Mu-Sul-Manen, Träger des allumspannenden Turbans, Führer der einzig wahren Meharireiter und langjähriger Grossvezier des Kalifats Tikon, Eurer kalifischprinzesslichen Hohheit oh Nyala, Besitzerin des verführendsten Bauchnabels der Perle am Li-Fluss, unverweigernde Schwester des Kalifen und treue mu-sul-manische Platzhalterin in den Klauen des Regenten den Gruss. Wir brauchen unsermeiner Hoffnung, dieser Brief sei durch die Fänge der Häscher des Regenten hindurchgeschlüpft und hätte Euch ohne sein Mitwissen erreicht, nicht speziell Ausdruck zu verleihen. Mit umso mehr Vehemenz möchten wir deshalb auf unsermeine Aufregung über die Vergabe der Vogtei Hornfels an den so treuen wie naïven Tuan de Uruloki hinweisen. Ein Schachzug, der an Euch vorbei eingefädelt worden sein mag, der aber trotzdem und umso mehr aufs Empfindlichste urnomadisches Gebiet tangiert und es braucht nicht speziell erwähnt zu werden, dass der Unsägliche damit Gebiet verschenkt hat, das ihm nie und nimmer gehörte und wenn er hofft, wir würden das so schlucken, wie König Bogumil es schuckte, als wir dasselbe mit Wexxel machten, dann mag er sich selbst daran verschlucken, denn wir werden uns hüten auch nur ein Yota von unserer Position abzuweichen. Kein Fingerbreit dem Übel, kein neues Beet für Gladiolen und kein Wohlwollen für den Usurpator! Man müsste fürwahr jalmo sein, wenn man solchige Einmischungen und Dreistigkeiten erlauben würde. Aber nichts da! Wir hoffen mit Euch und Ihm, Akhran stehe uns in dieser schweren Stunde der Bewährung bei, und auch dem unser Wohlwollen geniessenden Tuan bei den eröffnenden Feierlichkeiten der Akademie zusammenzutreffen, wo wir neben dem formellen und vor gross angereistem Publikum inszenierten Austausch von Datteln und Wasser zwischen Euch als Vertreterin Tikons und unsermeiner obgenannten weniglichen Sandigkeit als Vertretung der wandernden Mu-Sul-Manen auch dieses Problem zu lösen hoffen. Wir zielen darauf ab, Tuan einen gebieterischen Eid auf den Stamm der Mu-Sul-Manen, um dessen Gebiet es sich bei der Vogtei Hornfels ja handelt, schwören zu lassen. Ein Unterfangen, das uns eher nur mit Eurer Hilfe gelingen wird, an die wir mit diesem Schreiben appellieren möchten. Damit dieser Brief bestärkt und bestätigt wird, so hängt unsermeine wenigliche Sandigkeit der obgenannte Scheich Rereshqala, sein Siegel an diesen Brief. Gegeben am ersten Sonntag nach dem regentlichen Turnier, im 30. Jahr der Gründung Tikons, im ersten Jahr unserer Wahl.


Geschrieben von folini; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002