Fundregal zu Wexxel

Fundstabe atS

Auch in einer verstaubten Bibliothek gibt es grüne Sprenkel zwischen den Buchseiten zu finden.



[] [] 'Shil-O darf nicht sterben!'
Ein beeindruckender Appell für den Erhalt einer einzigartigen Landschaft.

[] [] 'Tikonischer Wanderführer: Band 4, die Grafschaft Kevatal'
Mit Faltkarte in der Mitte.

[] [] 'Tikonischer Wanderführer: Band 5, Tôs und seine Umgebung'
Mit zahlreichen Abbildungen.

[] [] 'Rote Nächte'
Der Kultroman aus den Katakomben von Wexxel.

[] [] 'Meine liebsten Teerezepte'
Teehändler Herr Bassino lädt Sie ein zum Geniessen.

[] [] 'Der Druide aus dem Silberwald'
Die junge Naloda kämpft um die Liebe eines Mannes aus der Wildnis. In grosser Schrift.

[] 'Almanach der Heilmagie'
Und was man wissen sollte, bevor man sie anwendet.

[]

Ich möchte hier ein paar Fragen stellen und zum Teil auch beantworten, die sich jeder, der sich für Heilmagie interessiert, stellen sollte, bevor er sie anwendet. Das gilt nicht nur für schwierigere Zauber wie Wiederkehr oder irgendwelche irrsinnigen Rituale. Es geht hierbei auch ganz besonders um die kleineren Zauber, die schnell angewendet werden müssen, sei es in der Schlacht oder nach einem Unfall. Denn gerade in den Fällen, wo schnell entschieden und gehandelt werden muss, sollte man wissen, welche Fragen immer zu berücksichtigen sind. Einige davon lassen sich allgemein beantworten, solche über die Auswirkung des Ortes, und ob überhaupt klar ist, was der Magie mitgeteilt werden soll, aber andere sind von Situation zu Situation unterschiedlich zu beantworten. In jedem Falle spart es viel Zeit, wenn man weiss, auf was zu achten ist. Abgesehen davon spart es auch jede Menge Ärger.

"Heiler!"

Den Ruf haben schon alle gehört, einige haben ihn selbst getan, andere sind ihm gefolgt, viele waren schon der Grund dafür. Was tun wir, wenn dieser Ruf erklingt? Wir folgen ihm, wenn nicht etwas wirklich wichtiges uns davon abhält. Ein bisschen Regen vor dem Zelt zählt in diesem Falle nicht als wichtig. Doch wenn wir dem Ruf gefolgt sind, gibt es viele Fragen, die wichtig sind, bevor wir mit der Arbeit beginnen. Die erste Frage ist:

Gibt es Verwundete?

Die Frage klingt vielleicht blöd, aber ich bin selbst schon mehr als einmal gerufen worden, weil jemand von einem Schlafzauber, einer Lähmung oder einer magischen Überladung getroffen wurde. Das sind sicherlich alles ernstzunehmende Dinge, aber dafür braucht man keinen Heiler, sondern einen Eimer Wasser oder einen Magier. Wenn es aber in der Tat wirklich Verwundete oder Vergiftete gibt, ist zunächst zu prüfen, ob sie sich immer noch in diesem Zustand befinden. Um auch dies kurz zu erklären: Wenn jemand eine Wunde am Arm hat und diese gerade geheilt wurde, kann trotzdem jemand anders deswegen noch einen Heiler rufen, weil er nicht gesehen hat, dass sich jemand um die Wunde gekümmert hat. Und wenn da ein zerfetztes Hemd an einem blutigen Arm klebt kann das immer noch böse aussehen, wenn die Wunde selbst schon versorgt wurde. Auch ein Giftopfer sieht noch etwas krank aus, wenn schon etwas gegen die Vergiftung getan wurde. Also: Immer erst sicher gehen, dass derjenige um den es geht überhaupt Hilfe braucht, die ein Heiler anbieten kann. Man kann sich also um das Opfer kümmern. Damit kommen wir zur nächsten Frage:

Wieviele Verwundete gibt es?

Sicher ist jedem Bedürftigen die bestmögliche Hilfe zu leisten. Doch wenn es mehr Verwundete gibt, als die anwesenden Heiler magisch versorgen können, ist es wichtig, sich zunächst nur um die wirklich bedrohlichen Verletzungen zu kümmern und dann den Rest mit Verbänden oder ähnlichem zu richten, sonst hat man nachher einem Krieger jede Schramme geheilt und kriegt die aufgerissenen Gedärme des anderen leider irgendwie nicht verbunden und das gibt kein gutes Gefühl. So zielt die Frage nicht nur unbedingt auf die derzeit herumliegenden, sondern auch auf die Anzahl der noch zu erwartenden Verletzten. Meist kann man sich darauf verlassen, dass ein Dämon, der seine Rückkehr für den Abend angekündigt hat, sein Wort hält. Dafür lohnt es sich immer, noch ein wenig Energie aufzusparen, sie wird später sicher noch gebraucht.

Ist es sinnvoll, hier, jetzt, bei diesem Verletzten Magie anzuwenden?

Die Frage klingt vielleicht auch etwas eigenartig, ist aber nötig. Wenn begründete Vermutungen bestehen, dass die Magie an einem Ort anders wirkt als normal, sollte man überlegen, ob es sinnvoll ist, das Risiko einzugehen. Ein Ort, dessen Aura die Magie umkehrt, macht Heilzauber in einem solchen Falle wenig empfehlenswert. Wenn aber keine genauen Aussagen über die Wirkung des Ortes gemacht werden können und ein Heilzauber die letzte Chance des Verwundeten ist, sollte man es auf jeden Fall versuchen. Es wäre auch interessant, zu wissen, ob Magieanwendung da, wo man gerade ist, verboten ist. Soviel zum "Hier". Das mit dem "Jetzt" ist schnell erklärt. Wenn gerade ein Ritual im Gange ist, oder eine Wesenheit sich in der Nähe aufhält, die meinen Zauber beeinflussen könnte, wäre es sinnvoll, ein wenig zu warten. Wenn das der Zustand des Verletzten nicht zulässt, muss man es eben riskieren. Warum sollte aber der Verletzte dagegen sprechen, dass Magie angewendet wird? Nun, es könnte ein Allerländer oder Locknaranhänger sein, oder sonst jemand, dessen Glauben es verbietet, magisch geheilt zu werden. Wenn es anders aber nicht geht, kann man überlegen, ob man einen Geheilten, nicht ganz glücklich vor sich haben möchte oder einen Toten. Anders liegt der Fall bei Wesen, die gegen Magie immun sind oder die von Magie Schaden nehmen. In diesen Fällen sollte man wirklich auf deren Anwendung verzichten, da sie im besten Falle ergebnislos wäre. Eine andere Behinderung sind Dinge wie spezielle Schutzvorkehrungen durch Zauber oder magische Gegenstände. Wenn jemand einen Magiespiegel auf sich liegen hat, hilft ihm ein Zauber nicht. Wenn man die Zeit dazu hat, sollte man also solche Gegenstände zunächst entfernen und im Zweifelsfall auf den guten alten Verband zurückgreifen. Man kann sich natürlich auch noch fragen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, nach der Heilung des Verletzten von diesem oder den eigenen Leuten angegriffen zu werden. Das liegt immer daran, ob der Verletzte gerade all Eure Freunde halb umgebracht hat oder bezaubert oder einfach nur irrsinnig ist. Das sollte man immer in der jeweiligen Situation bedenken. Andererseits stellt sich manchmal die Frage auch gar nicht. Man sollte sich aber immer fragen, ob die Tatsache, dass der Verletzte gestern abend Euren ganzen Met getrunken und die ganze Nacht laut gesungen hat, ein ausreichender Grund ist, ihn sterben zu lassen. Wenn man sich nun also zur Magieanwendung entschlossen hat, taucht eine weitere interessante Frage auf:

Was genau tue ich eigentlich?

Natürlich kann man auf diese Frage mit einem Creo Corporem Medicam Magica oder was auch immer man sonst so sagt antworten. Aber das ist nicht die Frage. Um diese Worte nicht nur Worte sein zu lassen - was sie bei mir immer nur wären - sollte man sie mit Energie, magischer Energie füllen, also die Worte verwenden, um Energien zu formen. Das führt uns zu der Frage, woher diese Energie kommt. Darauf möchte ich nicht unbedingt eingehen, denn darüber gibt es so viele Meinungen, die mit soviel Begeisterung vertreten werden, dass wir einen praktischen Teil anschliessen könnten. Aber ich möchte auf die Frage eingehen:

Was tue ich mit meiner magischen Energie?

Ich kann natürlich einfach meine Formel, die ich gelernt oder selbst entwickelt oder auf einer Spruchrolle habe, aufsagen und hoffen, dass schon das richtige passiert. Das kann durchaus funktionieren. Muss aber nicht. Warum das funktionieren kann ist einfach: Die Lebensenergien fliessen durch alles und wohnen allem inne. Alle diese Energien sind im Fluss miteinander verbunden. Dadurch "kennt" die Energie das "Gefühl" der Ganzheit, weiss, wie ein gesunder Körper aussieht, weiss, wie sie durch "heile" Dinge fliesst. Sie hat den Drang, wieder durch ein Ganzes zu fliessen. So bringt sie den Körper dazu, unter Nutzung eben dieser Energie, wieder zu einem Ganzen zu werden, sich zu heilen. Warum das nicht immer funktionieren muss ist auch klar: Wenn die Verletzung etwas komplizierter ist, verschmutzt ist, wenn grössere Teile des Körpers fehlen, wenn ein Knochen gebrochen oder ein Muskel durchtrennt ist, reicht es nicht, einfach die beieinander liegenden "Enden" zu heilen. Die Magie braucht dann die genauen Weisungen, was im einzelnen zu tun ist, damit nicht Teile miteinander verheilen, die so gar nicht zusammengehören. Was nützt einem ein Muskel, der zwar an seinen beiden durchtrennten Enden geheilt ist, aber diese Enden nicht miteinander verbunden sind? Man muss der Magie also genau sagen, was zu tun ist. Das scheint vielleicht ganz klar zu sein. Doch um wirklich zu wissen, wie die Magie zu lenken ist, um die zu behandelnde Verletzung zu heilen, muss man erst verschiedene Dinge wissen:

Wie sieht das jetzt aus und wie sollte das eigentlich aussehen?

Klar, wenn jemandem die Därme aus dem Bauch hängen, der Arm an der falschen Stelle abknickt und aus dem Bein irgendwie wahnsinnig viel Blut rausläuft, dann gibt das einen Hinweis. Zu sehen, was alles nicht in Ordnung ist, ist aber nicht genug. Man muss auch ein Bild davon haben, wie es aussehen sollte. Dafür ist es wichtig, Kenntnis zu haben, welcher Knochen wohin gehört, wo das Blut herkommt, wo es hinwill und wo es dafür lang muss. Allgemein ist allerdings klar, dass Dinge, die offensichtlich nicht zum Körper gehören, so wie Steine, Schmutz, Pfeilspitzen und ähnliches, erstmal entfernt werden sollten. Dadurch kann es sein, dass auf einmal noch mehr Blut aus dem Körper läuft, aber darum kann man sich ja dann kümmern. Das Problem mit dem vielen Blut, das irgendwo rauskommt, lässt sich meist dadurch beheben, dass man erst mal das sucht, wo es rauskommt. Hat man diese Hauthülle erstmal gefunden, findet man auch eine, die recht ähnlich aussieht. In gleicher Grösse an etwa der gleichen Stelle an der anderen Seite der Verletzung und genauso offen. Wenn man die beiden Enden verbindet, ist das Problem erledigt. Klar, das kann man auch nähen, nur da sollte man ziemlich schnell sein, damit der Verwundete zwischendurch nicht verblutet, eine sehr dünne Nadel haben, damit man die dünne Hülle nicht völlig durchlöchert und einen sehr festen Strick griffbereit haben, mit dem man den Versorgten festbindet, wenn man fertig ist, denn solche Dinge reissen sehr schnell wieder auf. Bei irgendwelchen Verletzungen im Inneren wird das sowieso recht schwer, weil man dafür erstmal ins Innere rein muss. Magisch geht das viel schneller, sauberer und man muss nicht unbedingt in der Wunde herumwühlen, denn das Finden der beiden Enden kann man auch der Magie überlassen, wenn man ihr sagen kann, wonach sie suchen soll. Mit den Knochen ist das ähnlich. Wenn einer kaputt ist, sollte man die entsprechenden Teile aneinander passen und verbinden. Sicher, das geht auch mit Nägeln, oder einem Stock, den man zur Unterstützung von aussen daran bindet, damit der Knochen gerade verheilt. Bei der Sache mit den Nägeln muss man aber erst alles um den Knochen aufmachen und ganz vorsichtig sein, dass man ihn nicht zersplittert. Das mit dem Aufmachen könnte auch wieder zu einem Blutproblem führen, wenn man nicht so sicher ist, wo es langläuft. Das mit dem Stock hilft nur ausgesprochen langsam und wenn man sehr kleine Bruchstücke hat, kann man die schlecht an einen Stock binden. Magie ist hier viel schneller und sauberer. Man muss nicht unbedingt den Körperteil um den Knochen aufschneiden, um die Bruchstücke zu suchen, wenn man der Magie genau sagen kann, was zu tun ist. Ein paar Grundkenntnisse über den Aufbau des zu heilende Körpers können also nicht schaden.

Wie sag ich´s meiner Magie?

Normalerweise reicht es aus, sich im Geiste ein klares Bild davon zu machen, was zu tun ist. Wenn man dann seine Magie anruft, wird sie diesem Bild folgen. Es ist in jedem Falle sinnvoll, sich diese Überlegungen zuerst zu machen und nicht erst die Magie zu rufen um dann zu überlegen, was die eigentlich tun soll. Wenn man sich noch nicht so sicher ist, diesen Zauber noch nicht oft gewirkt hat, oder noch nicht bei der vorliegenden Verletzung, ist es auf jeden Fall hilfreich, durch zusätzliche Worte der Magie und vielleicht auch sich selbst zusätzlich zu dem geistigen Bild klar zu machen, was getan werden soll. Das sollte auch niemandem peinlich sein, denn es ist weniger peinlich, zuzugeben, lieber auf Nummer sicher zu gehen, als einen Verletzten in einen Toten zu verwandeln.

Was für ein Zauber ist angemessen?

"Viel hilft viel" ist auch hier, wie so oft, nicht die richtige Lösung. Man kann sich das ganz einfach an einem Becher Wasser vorstellen. Nimmt man den Becher als Körper und das Wasser als die Kraft, die der Körper normalerweise hat, kann man sich folgendes überlegen: Man nimmt einen Löffel Wasser heraus, um den Verlust der eigenen Kraft durch eine Verletzung zu zeigen. Wenn man nun einen Löffel Wasser hinzugibt, ist der Becher wieder voll. Gibt man einen ganzen Becher Wasser dazu, ist der Becher und alles um den Becher herum auch noch nass. Man sollte also immer nur soviel geben, wie benötigt ist. Wenn es sich um verschiedene schwierige Verletzungen handelt, sollte man sie, wenn man sich noch nicht so sicher ist, möglich auch nacheinander behandeln, weil man der Energie dann nicht Anweisungen für drei verschiedene Dinge gleichzeitig geben muss. Das verwirrt einen selbst und damit auch den Fluss der Energie und das ist eigentlich nicht so gut, sowohl für den zu Behandelnden als auch für den Magieanwender.

Was erwarte ich vom Verletzten?

Manche Heiler heilen nur für einen festgelegten Mindestsatz. Manche Heiler heilen die, die es sich nicht leisten könnten umsonst und nehmen von reichen Leuten dafür mehr. Manche heilen nur ihre Freunde oder nur sich selbst. Manche heilen auch alles, was gerade verletzt rumliegt. Was man von dem Verletzten - von dem gerade Geheilten erwartet, ist aber in jedem Falle relativ einfach, zumindest, wenn man sein Handwerk einigermassen ernst nimmt. Man erwartet, dass er sich ein Weilchen schont und nicht direkt in den nächsten Streit mit gehobenem Schwert läuft. Man erwartet, dass er sich Gedanken darüber macht, dass so eine Verletzung ziemlich weh tut und dass es sinnvoll sein könnte, solche Dinge wenn möglich zu vermeiden, nicht nur für sich, sondern auch für andere. Und manchmal erwartet man auch ein kleines Dankeschön.

Bilshifa

Gjarrelyn Lhydaan
Primus inter Pares der Manus Sanans im Bunde der Manus Lucis
Meisterin der Heilkunst

   Buch zurückstellen

[] [] 'Nicht ohne meinen Stab!'
Der bedrückende Tatsachenbericht über die Entführung eines jungen Druiden.

[] [] 'Marilser grüne Reihe: Schönere Schreine'
Der Druide Darian erzählt aus der Praxis.

[] [] 'Marilser grüne Reihe: Rosen und die Kunst sie zu schneiden'
Wichtel Huber erklärt alle Arbeitsschritte.

[] [] 'Marilser grüne Reihe: Henna-Tattoos und Körperbemalung'
Schöner Aussehen mit Na-o-tië.

[] Direkt anschliessend werdet Ihr mit einiger Verwunderung, da doch die meisten geweihten Werke bald in der Abteilung der Sjakarta stehen sollten, unter dem Fundstaben HtT diese hier antreffen. Denn der offizielle Index der verbotenen Bücher des Konsortiums im Tempel des Tscha'anz ist auch in der Abschrift hier vorhanden, obwohl das nicht allzu gemein bekannt sein müsste. Eine kleine abgeteilte Ecke werdet Ihr noch beschreiten wollen, wenn Ihr unter dem Fundstaben HAaB weniger gelehrte Folianten über Abenteuer und andere passierende Vorkommnisse tatsächlich interessant finden wollt. Ist Euer Wunsch hingegen besonders fremdartig, will sagen exotisch, dann seid Ihr beim Fundstaben VbT bestens willkommen.

Grüne Werke werden von Christian Folini, Frank Schleich, Elena und Daniela Schmidt zurechtgestutzt.

Panta rhei. Das letzte Mal am 4. März 2000.